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Schädlich wie 100 filterlose Zigaretten Delmenhorster Arzt und Drogenberatung schlagen Alarm bei Shishas

Von Kai Hasse | 24.01.2018, 10:25 Uhr

Shisharauchen liegt zunehmend im Trend. Das ist eine Beobachtung der Drogenberatung Sie und ein Delmenhorster Arzt warnen ausdrücklich vor dem süßlichen Rauch.

Kinder auch im jungen Teen-Alter fragen bei der Drogenberatung Delmenhorst (drob) verstärkt nach, ob Shisha-Rauchen unbedenklich sei. Denn auf den ersten Blick scheine die Shisha verlockend: Süßer Duft, gemütliche Runden, kein gesellschaftliches Stigma. Aber: Shisharauchen ist lebensbedrohlich. Der Delmenhorster Mediziner Prof. Dr. Martin Teschner lässt daran keinen Zweifel. Und die drob will gegensteuern.

Immer mehr Interesse am Shisha-Rauch

In zwei Jahren will die drob ihre nächste größer angelegte Befragung unter Delmenhorster Schülern starten. Bisher ging es beispielsweise um Alkohol oder Zigaretten. In der nächsten Befragung soll auch der Konsum von Shisha-Rauch abgefragt werden. Also das Rauchen an aus dem arabischen Raum stammenden Wasserpfeifen, um die sich mehrere Raucher versammeln können, und an denen der Rauch durch ein Wasserbad abgekühlt wird und scheinbar milder erscheint. Geraucht wird dabei aromatisierter Tabak, der üblicherweise süßlich und angenehm duftet. „Extrem schädlich“, sagt Nils-Oke Bartelsen, Fachkraft für Frühintervention bei der drob, sei das, „und das liegt auch daran, dass das Shisha-Rauchen verharmlost wird.“ Mangels bisheriger Befragungen speziell zu diesem Thema habe er keine konkreten Zahlen zum Konsum in Delmenhorst – deutlich sei aber, dass die Mitarbeiter der drob bei ihren Gesprächen mit Jugendlichen immer öfter auf das Shisha-Rauchen angesprochen werden würden.

Viele Zehntklässler betroffen

Beim Rauchen an der Shisha wirke ein Gruppenzwang, weil eben in der Gruppe geraucht wird, es als angenehmer empfunden wird als das stinkende Zigarettenrauchen, und weil es gemütlich wirke. „Unsere Vermutung ist, dass das Shisha-Rauchen im Alltag stark zugenommen hat.“ Jeder wisse, dass Zigarettenrauchen gefährlich ist. Beim Shisharauchen herrschte Aufklärungsbedarf, zumal es auch in Delmenhorst immer mehr Shisha-Bars gäbe.

Das „Präventionsradar“ der Krankenkasse DAK, das Ende des vergangenen Jahres herausgegeben wurde, beziffert 42 Prozent der Zehntklässler, die bereits Shisha geraucht haben. Sieben Prozent rauchen einmal pro Monat Shisha, so die Zahlen, die das Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung in Kiel für die Kasse ermittelt hat.

Eine Stunde Shisha wie 100 filterlose Zigaretten

Welche Gefahr tatsächlich vom Shisharauch ausgeht, macht Prof. Dr. Martin Teschner vom JHD deutlich: „Eine Stunde Shisharauchen ist so schädlich wie der Konsum von 100 filterlosen Zigaretten.“ Das hieße: Nach sechs Minuten hat man die Gift-Dosis eines Gewohnheitsrauchers intus. In dem Rauch befänden sich laut Teschner Arsen, Blei, Cobalt, Formaldehyd, Acrolein oder Benzapyren, die schädlich seien. Gefährlich sei außerdem das Kohlenmonoxid, das die Raucher einatmen. Kohlenmonoxid blockiert den Sauerstofftransport im Blut. Das Gas ist geruchs- und geschmackslos – weshalb man es einen „silent killer“ (stillen Mörder) nennt. Dass das Problem immer präsenter wird, verdeutlicht Teschner mit drei Zahlen: An der Uniklinik Düsseldorf musste 2015 ein Mensch in einem speziellen Sauerstoff-Tank behandelt werden – wegen der Kohlenmonoxid-Vergiftung. 2016 waren es fünf Fälle, 2017 waren es 40. Shisharauchen sei vor allem wegen des Charakters des „Gemeinschafts-Events“ tückisch. Und: Weil der Rauch angenehmer sei als der einer Zigarette. Dadurch, dass er kühler sei, inhaliere man den Rauch tiefer, bis in die feinsten Lungenverzweigungen.

Teschner, Nichtraucher, seit 13 Jahren in Delmenhorst, befürchtet, dass er die Folgen dieses Shisharauchens mittelfristig als Chirurg im JHD auf dem Tisch haben wird. „Schon 2011 hat die Bundesanstalt für Risikobewertung ausdrücklich vor dem Shisharauchen gewarnt. Bisher ohne Folgen. Die Politik reagiert viel zu langsam!“