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Schauspiel im Salon Delmenhorster Villa Kaufmann öffnet für Kultur

Von Marco Julius | 23.10.2015, 07:31 Uhr

Das Ehepaar Hella und Hagen Möller hat die Villa Kaufmann liebevoll saniert. Jetzt öffnen sie ihren geschichtsträchtigen Wohnsitz für kulturelle Veranstaltungen.

Ein besonderes Haus mit einer besonderen Geschichte öffnet bald seine Türen für eine besondere Veranstaltung: die Villa Kaufmann an der Stedinger Straße 89, einst Wohnsitz des früheren DLW-Direktors Ludwig Kaufmann (1884-1980), erbaut 1885, erstrahlt seit zwei Jahren in neuem, alten Glanz. Das Ehepaar Hella und Hagen Möller hat die gutbürgerliche Villa 2010 gekauft und liebevoll saniert. Das Schmuckstück – von innen wie außen – soll nun ein Ort der Kunst werden. „Wir haben uns entschlossen, unser Haus für Kulturveranstaltungen zu öffnen“, sagt Hagen Möller.

Idee spontan entstanden

Die Idee sei relativ spontan gekommen, sagt der Hausherr. Mit den Nachbarn Heide Weers und Dieter Vieluf war man gemeinsam im Literaturkeller in Bremen und hat ein Stück mit dem Schauspieler Benedikt Vermeer gesehen. Heide Weers sprach ihn kurzerhand an, ob er sich vorstellen könnte, auch in Delmenhorst ein Gastspiel in privatem Rahmen zu geben.

Gemeinsam haben sich die beiden befreundeten Paare dann an die Planung gemacht. „Wir wollen mit dem kulturellen Angebot dazu beitragen, dass oft negative Image der Stadt Delmenhorst zum Positiven zu verändern“, sagt Heide Weers. Das Gute erkennen, das Denkmalwürdige schützen, sensibel und mutig sein, neue Wege entdecken, so umschreiben die Paare ihre Ziele.

Von Tucholsky bis Heine

40 bis 45 Plätze werden im Salon der Villa „für Freunde, Bekannte und Interessierte“ zur Verfügung stehen, wenn Benedikt Vermeer am Samstag, 21. November, ab 20 Uhr die Villa Kaufmann bespielt. „In vino veritas“ ist der Abend überschrieben, der berauschende Stunden mit Kurt Tucholsky, E.T.A. Hoffmann, Friedrich Schiller, Ludwig Thoma, Edgar Allen Poe, Heinrich Heine und vielen anderen mehr verspricht. Es geht um Wein und Wahrheit – und den Kater danach.

Besucher des Abends, an dem die Organisatoren nichts verdienen wollen, dürfen sich dabei nicht nur auf Literatur und Schauspiel sowie kostenlose Getränke freuen, sie bekommen ganz nebenbei auch die Gelegenheit, das geschichtsträchtige Haus in Augenschein zu nehmen – und die eindrucksvolle Kunstsammlung, die die Möllers im Laufe ihres Lebens zusammengetragen haben. „Ich habe mich schon früh für alte Möbel und für Gemälde interessiert“, sagt Hagen Möller.

Stadtgeschichte erhalten

Der privat organisierte Abend mit Benedikt Vermeer ist nahezu ausgebucht. Beide Paare freuen sich über die Resonanz und schmieden bereits Pläne, weitere Künstler einzuladen. „Es soll nicht bei einer einmaligen Geschichte bleiben“, verrät Heidi Weers. Es wäre schließlich auch schade, wenn das wunderbare Ambiente des Hauses ungenutzt bliebe. Die Möllers haben Denkmalschutz beantragt für die Villa Kaufmann, in der sie seit zwei Jahren leben. „Wir wollen ein Stück Stadtgeschichte erhalten“, sagt Möller und bezieht das auch auf Nachbarhäuser. Hätte es das Ehepaar nicht gegeben, wäre mit der Villa Kaufmann wohl tatsächlich ein Stück Delmenhorster Geschichte der Abrissbirne zum Opfer gefallen. „Wir waren die 40. Interessenten, alle vor uns haben dankend abgelehnt“, erinnert sich Hagen Möller. Die Möllers selbst haben direkt zugeschlagen und die Villa Kaufmann, in der bis zu ihrem Tod im Januar 2009 Irene Kaufmann, Tochter von Ludwig Kaufmann, gelebt hat, aus dem Dornröschenschlaf erweckt. „Die Bausubstanz war solide“, sagt Hagen Möller. Aber das sei es auch schon gewesen, heute ahnt der Besucher nur noch, wie viel Arbeit die Möllers in die Villa stecken mussten. Seit den sechziger Jahren hatte sich an dem Haus kaum etwas getan.