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Schieflage beim JHD in Delmenhorst Krankenhaus-Mitarbeiter sollen am Freitag mehr erfahren

Von Thomas Breuer | 19.09.2017, 21:25 Uhr

Der Politik sind die Hände gebunden. So sehen es die Vertreter der großen Ratsfraktionen mit Blick auf das in bedrohliche Schieflage geratene Josef-Hospital Delmenhorst (JHD).

Viele der rund 1000 Mitarbeiter des Josef-Hospitals Delmenhorst (JHD) fragen sich in diesen Tagen, ob ihnen ihr Arbeitsplatz auf Sicht erhalten bleibt. Nach der düsteren Prognose eines drohenden Zehn-Millionen-Euro-Defizits für das JHD im laufenden Jahr und einem durch Geschäftsführer Ralf Delker am Montag bekräftigten Stellenabbau in noch unbekannter Größe sind die meisten von ihnen nachhaltig verunsichert.

Mitarbeiterversammlung am Freitag

Betriebsrat und Mitarbeitervertretung des Krankenhauses planen für den Freitag dieser Woche eine Mitarbeiterversammlung, um etwas mehr Licht ins Dunkel zu bringen. Am Dienstag kamen sie mit der Geschäftsführung zu einem Informationsaustausch zusammen, am Mittwoch wollen beide Gremien ihr weiteres gemeinsames Vorgehen abstimmen.

Oberbürgermeister Axel Jahnz forderte in einem Interview mit unserer Zeitung, dass den verunsicherten Mitarbeitern seitens der Krankenhausführung jetzt Hilfsangebote gemacht werden müssten.

„Jetzt ist es der berühmte Schweinsgalopp“

SPD-Fraktionsvorsitzende Bettina Oestermann sagte zum Handlungsspielraum der Politik: „Ich fühle mich ohnmächtig, und das ist kein gutes Gefühl.“ Bereits im Vorfeld seien die Einflussmöglichkeiten aufgrund der nur zehnprozentigen städtischen Beteiligung an der JHD-Holding gering gewesen. In der Kürze der Zeit bis zur geplanten Beantragung des Schutzschirmverfahrens am Freitag sei kaum nachzuvollziehen, ob die Zahlen der alten oder neuen Geschäftsführung belastbarer sind. „Jetzt ist es auch der berühmte Schweinsgalopp, der mich wütend macht“, so Oestermann.

Beim Klinikum gegen Schutzschirm entschieden

CDU-Fraktionschef Kristof Ogonovski sieht einen großen Klärungsbedarf und erwartet zeitnah Informationen von JHD-Geschäftsführer Ralf Delker, „wie er mit dem geplanten Schutzschirmverfahren das Defizit mindern will“. In der Rolle des Minderheitsgesellschafters seien der Stadt weitgehend die Hände gebunden. „Wir sind auf Wohl und Wehe dem ausgeliefert, was der Geschäftsführer liefert und berichtet“, so Ogonovski. „Dann müssen wir gucken, was der Rat tun kann.“ Der Christdemokrat erinnerte daran, dass auch in der letzten großen Krise des Klinikums ein Schutzschirmverfahren zur Debatte gestanden habe: „Damals haben wir uns aus guten Gründen dagegen entschieden.“

Aufsichtsrat schweigt nach außen

Deutlich mehr Einfluss als die Politik kann der Aufsichtsrat der Josef-Hospital-Holding in der aktuellen Situation nehmen. Dessen Vorsitzender Peter König wollte sich am Dienstag auf Nachfrage nicht äußern und verwies auf eine Vereinbarung aller Beteiligten, dass die Öffentlichkeit nur durch den JHD-Geschäftsführer und den Oberbürgermeister informiert wird.