Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Schlagbaum könnte fallen Bundeswehr in Delmenhorst erwägt Sperrung der Weverstraße

Von Frederik Grabbe | 24.05.2017, 09:37 Uhr

Straßenrennen, gefährdete Passanten, nicht zugelassene Autos: Die Bundeswehr am Standort Delmenhorst erwägt die Sperrung der Weverstraße. Für den öffentlichen Verkehr ist sie nicht zugelassen. Trotzdem scheint es dort regen Verkehr zu geben.

Könnte die Weverstraße entlang der Feldwebel-Lilienthal-Kaserne in Adelheide bald dauerhaft gesperrt werden? Derartige Überlegungen äußert die Bundeswehr gegenüber dem dk. Laut Oberstleutnant Stephan Fey haben Militärstreifen und Polizisten mehrfach Autos bemerkt, die auf der Straße entlang des Kasernengeländes zwischen Großer Höhe und Adelheide mit erhöhter Geschwindigkeit fuhren. Fey erwägt darum, eine Schrankenanlage einzurichten. Sie könnte dann nur durch berechtigte Nutzer geöffnet werden.

Öffentlicher Straßenverkehr eigentlich nicht zugelassen

Die Weverstraße ist eigentlich eine sogenannte „Straße des Bundes“. In dem betonbedeckten Bereich zwischen Kasernenzaun und der Einbiegung zur Wiggersloher Straße ist der öffentliche Straßenverkehr nicht zugelassen, schildert Fey. „Dies ist auch durch entsprechende Verbotsschilder gekennzeichnet.“ Hauptsächlich Schwerlastverkehr sowie die Übungstruppe der Bundeswehr fahren auf der Weverstraße, so Fey. Sie sei überdies eine Verbindung zwischen dem Übungsplatz des Standorts auf der Großen Höhe und der Kaserne.

Autofahrer vor Kröten gewarnt

Allerdings: Trotz dieser Beschränkung wird die Weverstraße gerne von Autofahrern genutzt. So warnt beispielsweise der Fachdienst Stadtgrün jedes Jahr im März Autofahrer davor, dass dort Kröten auf Wanderschaft seien. Er stellte gar mobile Zäune auf, um zu verhindern, dass die Amphibien durch Autoreifen gefährdet werden.

Autofahrer mit Tempo 200 gemessen

Und auch die Stadt hat in dem Bereich einen regen Betrieb festgestellt: Nachdem sich 2015 Militär und Anwohner beschwert hatten, führte der Fachdienst Verkehr über eine Woche Verkehrszählungen und -Messungen durch. Hendrik Abramowski vom Fachdienst Verkehr: „Dabei zeigte sich, dass offensichtlich eine erhebliche Fehlnutzung der Straße vorlag.“ So seien Autos mit Tempo 200 gemessen worden. Zudem gab es Hinweise auf illegale Autorennen, so Abramowski. Durch die Autofahrer seien mittlerweile sogar Flüchtlinge gefährdet worden, die im Umfeld der Kaserne wohnen. Seit Februar 2016 beherbergt ein Gebäude auf dem Bundeswehrgelände Flüchtlinge, zuvor waren Geflüchtete in der Sporthalle an der Weverstraße untergebracht. Unfälle in diesem Zusammenhang hat es aber laut Polizeisprecherin Désirée Krikkis nicht gegeben. Zwar seien Autorennen auf der Straße bekannt, als Hotspot gilt sie aber nicht.

Sondernutzung nur für wenige

Wird ein Autofahrer erwischt, der unrechtmäßig auf der Weverstraße fährt, ist laut Stadt ein Bußgeld von 20 Euro fällig. Zwar gibt es zwar das Recht auf Sondernutzung, dies räumt die Bundeswehr aber nur wenigen ein: Zum Beispiel Landwirten, die Felder in dem Bereich bewirtschaften, teilt Fey mit. Zudem dürften Fahrschulen die Straße nutzen.

„Anleitung zum Verkehrsverstoß“

Keine Chance also für jene, die die Weverstraße gerne nutzen, um schnell aus dem Stadtsüden auf die Große Höhe zu gelangen. Dietmar Bodschwinna (74) ist zum Beispiel so jemand. Der Delmenhorster aus dem Südosten der Stadt würde gerne die Straße für alle Delmenhorster öffnen, um den Zugang zur Großen Höhe zu erleichtern. „Ich bin aus gesundheitlichen Gründen öfter auf der Großen Höhe und befahre dazu die Weverstraße. Die eingeschränkte Nutzung empfinde ich als Anleitung zum Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung (StVO)“, empört sich Bodschwinna. Diesen Vorwurf kann Fey nicht nachvollziehen. „Man kann die Weverstraße ja nicht benutzen. Wie soll man dann angeleitet werden, gegen die StVO zu verstoßen?“