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Schmerztherapie? Delmenhorster muss wegen Cannabis-Anbau für Jahre hinter Gitter

Von Ole Rosenbohm | 07.09.2017, 16:15 Uhr

Weil er in übergroßer Menge Cannabis angebaut hat, stand eine Delmenhorster am Mittwoch vor dem Oldenburger Landgericht. Seine Berufung hatte aber keinen Erfolg. Er muss nun über Jahre hinter Gitter.

Sein Vergehen, Marihuana in der eigenen Wohnung und im Garten angebaut zu haben, ist unstrittig: Über 700 Gramm Gras hatte die Polizei bei einer Hausdurchsuchung sichergestellt, das elffache einer rechtlich gesehen „nicht geringen Menge“. Strittig aber sind die Folgen. Denn das Amtsgericht Delmenhorst hatte den 45-Jährigen im Juni zu zwei Jahren und drei Monaten Gefängnis verknackt. Der Angeklagte argumentiert, er habe sich mit dem Marihuana selbst therapiert und verwies auf attestierte schwere Schmerzen nach diversen Bandscheibenvorfällen. Ohne den Wirkstoff THC könne er nicht schlafen. Das Landgericht Oldenburg allerdings war anderer Auffassung und hat am Mittwoch die Berufung des Mannes verworfen.

Frühere Bewährungsstrafe wird Familienvater zum Verhängnis

Der Delmenhorster Familienvater könnte sogar vier Jahre sitzen: Schon 2012 war er wegen einer ähnlich hohen selbst angebauten Menge zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Da die Bewährungszeit noch nicht abgelaufen war, kommt die alte Strafe zu der neuen hinzu.

Einschlägiges Vorstrafenregister

Im Vorstrafenregister waren bis 2002 auch vier Jahre Haft wegen bandenmäßigen Drogenhandels vermerkt. Auch wenn er seitdem nichts mit der Szene zu tun habe und eine bürgerliche Existenz aufgebaut habe, musste der Mann wegen der Schmerzen kiffen, sagte er. Allerdings machte die Richterin die angebaute Menge stutzig: Die gefundene Menge würde den eigenen Konsum für zwei Jahre decken. Sie könne die Vorstrafen nicht ausblenden. Er sei ein „Bewährungsversager“.

Vor Gericht geht es um das Gesetz, nicht um eine Diskussion um Legalisierung von Cannabis

Aber sind die Folgen verhältnismäßig? Der Konsum von THC besitze Akzeptanz in weiten Teilen der Bevölkerung, sagte der Verteidiger: „Nur in der Gesetzgebung hat sich dies noch nicht niedergeschlagen.“ Über vier Jahre Knast wären ein massiver Rückschlag. „Eine Diskussion über eine Legalisierung ist hier nicht zu führen“, sagte die Richterin. Vor Gericht gehe es um das Gesetz – und dagegen sei verstoßen worden.