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Schon immer Sorgen um die Sicherheit Als der Nachtwächter für die Ordnung sorgte

24.10.2015, 14:37 Uhr

Übergriffe auf Eigentum, Leib und Leben gab es zu allen Zeiten. Die Verantwortung für die Sicherheit oblag lange Stadt- und Nachtwächtern.

Wenn heute immer wieder Klagen über die mangelnde Sicherheit im Stadt- und Landgebiet erhoben werden, wenn deshalb in regelmäßiger Folge sich der Ruf nach Verstärkung der Polizei erhebt, dann schweifen die Gedanken zurück in jene „gute alte Zeit“, in der vermeintlich alles besser gewesen ist.

Doch stimmt das gar nicht. Schon immer hat es in unserer Region nicht an Menschen gefehlt, die im Trüben fischten, die dort ernten wollten, wo sie nicht gesät hatten. Und leider ist es auch hier zu Übergriffen gekommen, bei denen Eigentum und Besitz, aber auch Leib und Leben Schaden genommen haben.

1762 raubten Gewalttäter Pastor von Ganderkesee aus

Zeitweise vermochte es die Polizei kaum, immer die Ordnung aufrechtzuerhalten. Die Stadt lag jahrhundertelang in Grenznähe und dazu an einer wichtigen Verkehrsverbindung. Daher haben dunkle Gestalten hier öfters Station gemacht. Es wird von Banden berichtet, die bis zu 52 Köpfe stark gewesen sein sollen.

Steckbriefe warnten vor diesen Gewalttätern, denen im Jahr 1762 der Pastor von Ganderkesee und seine Frau zum Opfer fielen. Wie Edgar Grundig in seiner Stadtgeschichte berichtet, „hielten die Halunken der Frau ein brennendes Licht unter die Fußsohlen, bis sie das Versteck der Wertsachen preisgab“.

Nach dem Nachtwächter begann um 5 Uhr Stadtwächter seinen Dienst

Auch Einbrüche sind ziemlich häufig vorgekommen. Es blieb nicht aus, dass sich die Zeitgenossen über die mangelnde Aufsicht der Nachtwächter in der Stadt – diese waren seit 1806 für die Sicherheit verantwortlich – beklagten. Mit manchen Vorschriften wie der Polizeistunde hat die Obrigkeit diese Verhältnisse zu bessern gesucht. Auch das Schuldenmachen – eine vielfache Quelle nachfolgender Straftaten – sollte eingeschränkt werde. Wirte durften daher ihren Gästen nicht mehr als einen Reichstaler borgen.

Neben den Nachwächtern amtierten am Tage auch noch eigene Stadtwächter, sie begannen um 5 Uhr morgens mit ihrem Dienst, der bis 22 Uhr andauerte. Danach waren wieder die Nachwächter für die Sicherheit verantwortlich. Diese hatten zu jeder vollen Stunde die Zeit auszurufen. Auch mussten sie in jeder Stube, in der nach Mitternacht noch Licht brannte, „unauffällig durch die Fensterscheiben“ nach dem Rechten sehen.