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Schulen sehen sich gut vorbereitet Delmenhorster Schulleiter begrüßen Rückkehr zu G9

Von Jan Eric Fiedler | 11.06.2015, 10:06 Uhr

G9 statt G8, wieder Abitur nach 13 statt nach zwölf Jahren: Diesen in Deutschland bisher einmaligen Beschluss hat der niedersächsische Landtag in der vergangenen Woche getroffen. Für die Gymnasien vor Ort heißt es nun Umplanen, denn die Änderung gilt nicht nur für die neuen fünften Klassen, sondern auch rückwirkend für die Klassen sechs bis acht.

Die Schulleiter der beiden Delmenhorster Gymnasien sehen die Rückkehr zum G9 grundsätzlich positiv: „Es führt zu einer Entlastung der Schüler und kann gleichzeitig zu intensivem und nachhaltigem Lernen genutzt werden“, sagt Maxe-Leiterin Cordula Fitsch-Saucke. Auch sei es an den Gymnasien möglich, die Profilfächer – wie den Musikzweig am Maxe – weiter anzubieten.

Willms-Leiter Stefan Nolting sieht die Aufgabe des Gymnasiums darin, die Schüler zu kritischen und selbstbewussten Bürgern zu erziehen. „Das gerät derzeit manchmal aus dem primären Blick“, sagt Nolting. Gerade in den Klassen 12 und 13 fände eine wichtige Entwicklung bei den Schülern statt. Nicht nur deshalb begrüßt er die Rückkehr zu G9: „G8 ist für souveräne und gute Schüler machbar, für Schüler im unteren Dreier- und oberen Vierer-Bereich ist G9 sehr viel besser.“

Mehr Epochalunterricht durch neues G9

Bei der Reform liegen aber Licht und Schatten dicht beieinander, so Fitsch-Saucke: „Es fällt auf, dass eine Vielzahl von Fächern mit einstündigem Unterricht vorgesehen ist.“ Diese werden dann nur epochal, also ein Halbjahr, unterrichtet. Von acht auf 18 Halbjahre werde dieser Epochalunterricht in den verschiedenen Fächern ausgedehnt. Geschichte soll so in drei Schuljahren jeweils nur halbjährig unterrichtet werden. Dies sei unglücklich, nicht nur mit Blick auf die Kontinuität, sondern bedeute in Fächern wie Kunst, Musik und Erdkunde in Klasse 11 auch eine Schwächung vor dem Abitur.

Fitsch-Saucke sieht MINT-Fächer geschwächt

Ebenfalls geschwächt im Vergleich zum alten G9-System werden laut Fitsch-Saucke die sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). „Damit wird die Studierfähigkeit in den Fächern nicht ausreichend gefördert“, urteilt die Schulleiterin. „Die Hoffnung auf ein modernes G9 ist nur zum Teil erfüllt worden“, fasst Fitsch-Saucke zusammen.

Nolting sieht seine Schule gut vorbereitet: „Die schulinterne Arbeit ist erledigt, neue Schulbücher sind schon ausgewählt.“ Die Kontinuität auf gymnasialem Niveau sei gewährleistet.

Auf die Stadt könnten Kosten zukommen

Eine weitere Herausforderung könnte auf die Stadt als Schulträger zukommen: „Wir haben dann künftig 150 Schüler mehr“, sagt Nolting. Er könne sich nicht vorstellen, dass der Zulauf an den Gymnasien abnimmt. So stellt sich irgendwann an den Schulen die Frage nach dem ausreichenden Platz. „Das wird interessant“, meint Nolting. Er sieht noch Ausbaumöglichkeiten vor Ort. Mit Klassenräumen sei es aber nicht getan: „Ich brauche dann 100 Fahrradplätze mehr und auch Aufenthaltsplätze für die Pausen“, sagt Nolting. „Aber das ist Sache des Kostenträgers.“ Auch Fitsch-Saucke sieht perspektivisch den Bedarf nach Ressourcen. „Wenn ich einen Jahrgang mehr habe, werden Kosten auf den kommunalen Träger zukommen.“