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„Schutz der Reputation“ Fall Högel: Experte macht Klinikum Oldenburg Vorwürfe

Von Frederik Grabbe | 20.02.2019, 16:41 Uhr

Im Prozess gegen den Patientenmörder Niels Högel vor dem Landgericht Oldenburg soll nun ein ehemaliger Betriebsrat vernommen werden. Ein Experte für Krankenhausmorde macht unterdessen dem Klinikum Oldenburg schwere Vorwürfe.

Im Prozess gegen den Patientenmörder Niels Högel vor dem Landgericht Oldenburg soll diesen Donnerstag und Freitag ein ehemaliger Betriebsrat des Oldenburger Klinikums vernommen werden. Zudem soll ein Arzt der herzchirurgischen Intensivstation gehört werden. Einige weitere Personen allerdings sind nach Auskunft des Gerichts von der Zeugenliste gestrichen worden. Sie haben von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht, das zum Beispiel dann greift, wenn sich ein Zeuge mit seiner Aussage selbst belasten würde.

Unterdessen hat ein Experte für Krankenhausmorde, der Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Witten-Herdecke Karl H. Beine, Zweifel an der Glaubwürdigkeit einiger Zeugen und Niels Högels geäußert. Er bezweifle, dass ein leitender Oberarzt und ein stellvertretender Stationsleiter nichts von den Diskussionen um erhöhte Kaliumwerte und vermehrte Reanimationsfälle mitbekommen hätten, sagte Beine, wie der Evangelische Pressedienst berichtet. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt inzwischen gegen vier Zeugen wegen Meineids und gegen eine Person wegen Falschaussage.

(Weiterlesen: Högel-Morde: Jahrhundertprozess soll das Unvorstellbare aufklären)

„Diese Kliniken wollen Reputation mit allen Mitteln schützen“

Beine warf Verantwortlichen des Oldenburger Klinikums vor, das Ansehen des Krankenhauses über die Interessen der Patienten zu stellen: „Diese Vertuschungs-Mechanismen, dieses Verschleiern, dieses Nichtwahrhabenwollen, das finden Sie fast überall.“ In einem auf Profit ausgerichteten Gesundheitssystem hielten betroffene Häuser das Öffentlichwerden eines solchen Falls für den größten anzunehmenden Unfall. Dass solche Kliniken mit allen Mitteln ihre Reputation schützen wollten, sei daher „systemimmanent“.

Auch Högel glaube er nicht, unterstrich Beine. Eine „innere Beteiligung“ sei nicht zu erkennen gewesen, als er sich bei den Angehörigen seiner Opfer entschuldigt habe. Für ihn habe Högel seine Glaubwürdigkeit komplett verspielt.

(Mit epd)