Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Schutzschirm für Josef-Hospital Delmenhorster Krankenhaus kommt um Stellenabbau nicht herum

Von Thomas Breuer | 18.09.2017, 19:35 Uhr

Völlig unzutreffende Einschätzungen bei den Patientenzahlen und ein drohendes Defizit von zehn Millionen Euro zum Jahresende zwingen das Josef-Hospital Delmenhorst (JHD) in ein Schutzschirmverfahren. Ein Fachanwalt für Insolvenzrecht ist bereits im Boot. Die Patientenversorgung sei davon aber in keiner Weise beeinträchtigt, sagt Geschäftsführer Ralf Delker.

Inm Laufe des Montags wurden erst die Mitarbeiter, dann die Pressevertreter informiert – die Botschaft war dieselbe: Wenn im Josef-Hospital Delmenhorst (JHD) alles so weiterläuft wie bisher, droht bis zum Jahresende ein Defizit von zehn Millionen Euro. Allein der Rückgang an abgeforderten Leistungen durch weniger Patienten bei gleichbleibendem Personal würde mit fünf Millionen Euro zu beziffern sein. Geschäftsführer Ralf Delker sprach deutliche Worte: „Stellen werden abgebaut werden müssen.“

Keine Angaben zum Umfang eines Stellenabbaus

Wie und in welchem Umfang die rund 1000 Mitarbeiter betroffen sein werden, die sich auf 690 Vollzeitstellen verteilen, darauf wollte Delker keine Antwort geben. Er kann es nach eigenen Worten zum jetzigen Zeitpunkt auch noch nicht.

Immer deutlicher wird damit, dass die sogenannte Geschäftsbesorgungsfirma EconoMedic und Geschäftsführer Delker angetreten sind, um ein krankes Haus zu sanieren. In dieser Deutlichkeit, auch nicht im Ansatz davon, war dies weder vom JHD-Aufsichtsrat noch von den Gesellschaftern Stadt Delmenhorst und Stiftung St. Josef Stift kommuniziert worden.

Neuer Blick auf Abschied von Thomas Breidenbach

Damit erscheint auch der Abschied von Geschäftsführer Thomas Breidenbach, der nach eigener Darstellung aus freien Stück eine neue Aufgabe in Eisenach angenommen hat und erst am 21. August verabschiedet worden war, in einem neuen Licht. Delker meinte im Pressegespräch vielsagend: „Es hat gebrannt, das musste abgearbeitet werden. Da ist man abgelenkt von den wirklichen Dingen.“

Jetzt stehen vor allem Fragen im Raum: Konnte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) ihre Prognosen für das laufende Jahr auf Basis der richtigen Zahlen erstellen? Wo liegt der Fehler im System, dass urplötzlich das Gelingen der gesamten Fusion aus Stift und Klinikum bedroht scheint?

Schutzschirmverfahren soll Perspektive aufzeigen

Delker sagte, er wolle nicht zurückschauen, sondern nach vorne. Rettung soll nun ein sogenanntes Schutzschirmverfahren bringen, dass der Gesetzgeber 2012 eingeführt hat, um das Insolvenzverfahren zu entstigmatisieren. Dr. Markus Boddenberg, Fachanwalt für Insolvenzrecht aus dem Raum Köln, ergänzte, dass das Schutzschirmverfahren umgehend beantragt werden soll. Auf dieser Basis könne dann die Zukunft des JHD erarbeitet werden.

Vom Prinzip her, das stellten Delker und Boddenberg klar, ginge es nicht darum, die gemeinnützige Josef-Hospital Delmenhorst Krankenhaus GmbH zu sanieren, vielmehr müssten die gemeinnützigen Gesellschaften JHD Deichhorst und JHD Mitte, die darin mit jeweils 50 Prozent vertreten sind, gesunden.

Markenkern beider Krankenhäuser verloren gegangen

Weitere erschreckende Botschaft aus dem Pressegespräch: Im Zuge der Fusion sei der Markenkern beider bisheriger Krankenhäuser, Klinikum und Stift, verloren gegangen. Zudem wirke sich der Fall des Todespflegers Niels Högel weiter auf den Ruf des Krankenhauses aus.