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Schwangerschaftsabbrüche Bald Abtreibungen im Josef-Hospital Delmenhorst?

Von Marco Julius | 16.10.2018, 19:17 Uhr

Am Josef-Hospital Delmenhorst (JHD) werden aktuell keine Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen. Doch in der Frauenklinik wird darüber beraten, ob sich das in Zukunft ändern soll.

Mit rund 7300 Schwangerschaftsabbrüchen in Niedersachsen ist deren Anzahl im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr um 7,6 Prozent gestiegen. In den Jahren zuvor hatte die Zahl der Abtreibungen kontinuierlich abgenommen. Das teilt die IKK classic mit. Für die Stadt Delmenhorst liegen zwar keine konkreten Zahlen vor, dennoch wird über die Statistiken der gesetzlich vorgeschriebenen Schwangerschaftskonfliktberatung (§§ 218/219) deutlich, dass auch vor Ort ein Bedarf besteht. Gut 100 Konfliktberatungen pro Jahr nimmt allein die Stadt im City-Center vor, erläutert Amtsarzt Dr. Helge Schumann. Dazu kommen die kirchlichen Beratungen an der Kirchstraße.

JHD diskutiert intern

Dass wiederum wirft die Frage auf, ob künftig auch am Josef-Hospital Delmenhorst (JHD) die Möglichkeit für Frauen bestehen sollte, einen Schwangerschaftsabbruch nach den gesetzlichen Vorgaben vornehmen zulassen. Aktuell ist dies in Delmenhorst nur ambulant in einer Frauenarztpraxis möglich.

„Wir diskutieren das Thema intern bereits, es ist durchaus vorstellbar, dass wir uns grundsätzlich im Sinne der Frauen dafür öffnen“, sagt Dr. Katharina Lüdemann, Chefärztin der Frauenklinik am mittlerweile wieder städtischen JHD. Sie weiß um die emotionale Wucht des Themas. Sie selbst habe schon erlebt, wie Gegner des Schwangerschaftsabbruchs Klinikpersonal als Mörder beschimpften. Kritik gebe es aber auch von Befürwortern, die sich „für die Freiheit der Frau“ einsetzen, wenn es in der Frauenklinik keine Möglichkeit zum Abbruch gibt.

Am katholischen Josef-Stift, an dem Lüdemann zuvor gewirkt hat, waren Abtreibungen nicht zulässig. Am Klinikum in Deichhorst waren Schwangerschaftsabbrüche laut Lüdemann bis in Jahr 2011 noch möglich.

Engen Kontakt zur Bremer Klinik

„Wir bekommen immer wieder Anfragen, sei es bei ungewollten Schwangerschaften oder auch etwa bei einem auffälligen Befund“, berichtet Lüdemann. Man kooperiere aber intensiv mit dem Klinikum Links der Weser in Bremen, wo Spezialisten für pränatale Diagnostik arbeiten. Von dort käme die Rückmeldung, dass genügend Kapazitäten da seien, um auch Delmenhorster Frauen aufzunehmen.