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Streit eskaliert Schwere Vorwürfe gegen 35-jährigen Delmenhorster vor Gericht

Von Ole Rosenbohm | 02.09.2019, 19:15 Uhr

Körperverletzung, Nötigung, Widerstand gegen die Staatsgewalt: Ein 35 Jahre alter Delmenhorster sieht sich derzeit schweren Vorwürfen ausgesetzt. Ursache ist ein eskalierter Streit mit einem Asylbewerber.

Stimmt es, was die Angeklagten und ihre Anwälte am ersten Tag eines Berufungsprozesses vor dem Landgericht Oldenburg aussagten, dann haben beachtenswert große Teile der aus dem Ausland stammenden Delmenhorster Bevölkerung kein Vertrauen in die hiesige Polizei. So sei, hieß es von ihnen, auch das Verhalten eines türkischen Delmenhorsters zu erklären der bei einem Streit am 6. Januar 2018 mit einem Asylbewerber lieber seine Söhne und Bekannte herbei rief, statt die Polizei zu benachrichtigen.

35-Jähriger soll sich Polizisten widersetzt haben

Einem dieser Söhne (35) wird nun Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, versuchte Nötigung sowie Körperverletzung in Tateinheit mit Nötigung vorgeworfen – Delikte, die er im Zuge dieses Streits begangen haben soll. Das Amtsgericht Delmenhorst hatte den Mann in erster Instanz zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Jetzt will er in der Berufung eine niedrigere Strafe erreichen, die Staatsanwaltschaft hingegen die Bewährung aufheben.

Mit auf der Angeklagtenseite saß am ersten Verhandlungstag der auf vier Tage angesetzten Verhandlung auch ein 32-jähriger Deutscher, der wegen Nötigung zu 120 Tagessätzen á 40 Euro verurteilt worden war. Sein Prozess ist nach einer geständigen Einlassung beendet: vorläufige Einstellung gegen 2500 Euro an die Staatskasse.

Mutmaßliche Drohgebärden, Zwang und Kopfnüsse

Laut Anklage konnte die aufmerksam gewordene Polizei den Streit am Tatort Bahnhof keinesfalls schlichten. Vielmehr entstand eine Auseinandersetzung, bei der Beamte Schlagstöcke einsetzten und die beiden Angeklagten mit anderen Männern Beamte bedrängt und gestoßen haben sollen. Wenig später erschien ein Teil dieser Gruppe bei einer Flüchtlingsunterkunft. Offenbar suchten die Männer nach dem Asylbewerber. Einer soll ein Messer gehabt und es zweimal in einen Türrahmen gerammt haben – Ziel dieser Drohkulisse war, einen Bewohner zu zwingen, den Aufenthaltsort des Gesuchten mitzuteilen.

Abends dann Tatort Nummer drei vor einem Billardsalon: Nach draußen gelockt, wurde ein Mann sogleich umringt und bedroht. Der 35-Jährige soll ihm – was er bestreitet – drei Kopfnüsse verpasst haben. Zudem zwangen ihn die Männer, den Gesuchten anzurufen. Man wollte mit ihm nach Bremen fahren. Würde er zu fliehen versuchen, werde man ihn in den Fuß schießen. Das Leben des Gesuchten „gehört jetzt mir“, soll der Angeklagte gesagt haben. Die Polizei ging dazwischen.

Imam soll Streit mittlerweile geschlichtet haben

Der Streit zwischen den Parteien sei beigelegt, erfuhr das Gericht – und zwar durch einen Imam einer Moschee, die die Beteiligten wohl regelmäßig besuchen. Laut einem Verteidiger haben beide Seiten 200 Euro gespendet, quasi als Buße. Der Staatsanwalt sah darin – obgleich die Einigung an der Justiz vorbei getroffen wurde („Ich will hier nicht das böse Wort Schattenjustiz verwenden“) – eine Art Täter-Opfer-Ausgleich.

Angeklagter könnte gegen Bewährungsauflagen verstoßen haben

Vor einer Verurteilung wird diese Einigung den 35-Jährigen nicht bewahren. Da er erheblich vorbestraft ist und immer noch unter laufender Bewährung steht, droht ihm ohnehin ein Gefängnisaufenthalt – wenn auch die letzte Tat schon sechs Jahre her ist. Da er die meisten Vorwürfe indirekt zugab, wird sich die Beweisaufnahme wohl nur um die angeklagte Körperverletzung drehen – den härtesten Anklagepunkt.

Die Vorwürfe gegen die Delmenhorster Polizei werden im Prozess aber wohl auch eine Rolle spielen, spätestens wenn die Beamten selber aussagen. Der 32-jährige Deutsche, er hat selbst migrantische Wurzeln, erklärte dazu, er kenne viele, die sich oft überlegten, eher selbst zu handeln, als die Polizei zu rufen. Er selbst fühle sich in Delmenhorst von der Polizei allein gelassen. Am 13. September wird der Prozess fortgesetzt.