Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Schwerer Raub – Gericht fordert Gutachten Wie blind ist das Opfer aus Delmenhorst?

Von Alexander Schnackenburg | 20.11.2015, 17:49 Uhr

Im Prozess um einen schweren Raub an einem Delmenhorster will das Gericht nun wissen, wie blind das Opfer eigentlich ist. Es wurde ein Gutachten ersucht.

Jetzt stehen die Augen des Geschädigten auf dem Prüfstand: Der schwer sehbehinderte, offiziell sogar blinde Mann, ist nach eigener Aussage im November 2012 von zwei Angreifern in seiner Wohnung überfallen, mit dem Messer bedroht, geschlagen und getreten worden. Einer der Angreifer soll dem 36-Jährigen zudem, als er in den Hausflur fliehen wollte, mit dem Messer in die Schulter gestochen haben. Schließlich hätten die Räuber eine Geldkassette entwendet – allerdings eine leere.

Wie deutlich kann das Opfer Umrisse erkennen?

Auf der Anklagebank des Oldenburger Landgerichts sitzen zwei Männer aus dem Landkreis Diepholz, 29 und 40 Jahre alt. Letzter hat dem Delmenhorster zufolge das Messer geführt. Mit letzter Gewissheit aber kann es der Geschädigte nicht sagen, da er die Angreifer aufgrund seiner Sehbehinderung nur anhand ihrer Umrisse sowie ihrer Stimmen habe identifizieren können. Das augenärztliche Gutachten, um das der Vorsitzende Richter Horst Kießler gestern die Nebenklage gebeten hat, soll nun unter anderem klären, ob und inwiefern das Tatopfer überhaupt in der Lage ist, Umrisse verlässlich zu erkennen.

 (Weiterlesen: 36-Jähriger Delmenhorster überfallen und niedergestochen) 

Freiheitsstrafe von fünf Jahren droht

Da es offenbar keine unmittelbaren Tatzeugen gibt, hat sich der Fall zu einem langwierigen Indizienprozess entwickelt. Die beiden Angeklagten belastet vor allem der polizeiliche Mitschnitt eines Telefongesprächs. Im Falle einer Verurteilung erwartet die Angeklagten, die sich bislang nicht geäußert haben, nach Auskunft der Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren. Der Prozess wird am 3. Dezember fortgeführt.