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Schwerer Raub in Delmenhorster Pension 35-Jähriger steht wegen Kokain-Raubes vor Gericht

Von Frederik Grabbe | 20.07.2016, 15:39 Uhr

Ein undurchsichtiger Fall ist am Mittwoch vor dem Landgericht Oldenburg wegen schweren Raubes eröffnet worden. Der Angeklagte soll in einer Delmenhorster Pension einen mutmaßlichen Drogenhändler mit Pfefferspray überwältigt und ihm Kokain im Wert von 60.000 Euro gestohlen haben. Zeugen, wenn sie denn erschienen, verweigerten hartnäckig die Aussage. Bis auf eine Ausnahme.

Er soll einen Mann mit Pfefferspray verletzt und ihm Kokain im Wert von 60.000 Euro sowie 5000 Euro Bargeld gestohlen haben: Dies wirft zumindest die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten aus der Gemeinde Sögel vor. Am Mittwoch ist vor dem Landgericht Oldenburg der Prozess gegen den 35-Jährigen wegen schweren Raubes eröffnet worden.

DNA an Kippe belastet Angeklagten

Die Tat selbst liegt schon eine Weile zurück und soll sich in einer Delmenhorster Pension an der Adelheider Straße im April 2012 ereignet haben. Die Vorwürfe streitet der Sögeler jedoch ab. Er war ins Visier der Justiz geraten, weil eine Zigarettenkippe mit seiner DNA am Tatort gefunden worden war. Kurios: Die Polizei hatte dort auch überdimensionierte, lediglich einseitig bedruckte und selbst hergestellte 500-Euro-Geldscheine gefunden.

Falsche Geldscheine könnten Übergabe zum Platzen gebracht haben

Die Fingerabdrücke darauf führten zu einem mutmaßliche Komplize aus Stuttgart. Dieser ignorierte zwar eine Vorladung zum Gerichtstermin, allerdings sagte seine damals 15 Jahre alte Schwester aus: Diese habe einen „kleinen Stapel“ Scheine im Auftrag des Bruders bedruckt. Mit dem „Geld“ sollte wohl das Opfer des Raubes und der mutmaßliche Verkäufer des Kokains, ein 45 Jahre alter Unternehmer aus Bremen, vor der Tat getäuscht werden, bis die Übergabe in der Delmenhorster Pension dann platzte. So stellte sich die Tat vor Gericht dar. Der Bremer schwieg jedoch vor Gericht, weil in einem weiteren Strafverfahren wegen Besitzes von Betäubungsmitteln gegen ihn ermittelt wird.

Land nach Tat verlassen

Der mutmaßliche Komplize hatte zuvor vor der Polizei ebenfalls den Angeklagten belastet und will ihn in einer Stuttgarter „Russendisco“ kennengelernt haben, wie es im Prozess hieß. Gegen den Angeklagten könnte sprechen, dass er Monate nach der Tat das Land in Richtung Russland verlassen hatte, angeblich, um seine Mutter zu pflegen. Bei der Wiedereinreise Anfang des Jahres wurde er auf dem Hamburger Flughafen festgenommen.

Kein Zeuge, kein Opfer, kein Kokain

Bislang ist das Verfahren recht undurchsichtig: Es fußt im Wesentlichen auf der Aussage des mutmaßlichen Komplizen, der nicht vor Gericht erschien, das vermeintliche Opfer selbst sagte nicht aus und falls es Kokain gegeben hat, könnte es mittlerweile verkauft sein. Der Fortsetzungstermin ist für Montag, 25. Juli, 9 Uhr anberaumt.