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Schwierige Suche nach Fachkräften 422.000 Euro für Kita-Sprachförderung in Delmenhorst

Von Sonia Voigt | 03.07.2018, 19:18 Uhr

Kita-Erzieher statt Lehrer übernehmen ab August die Sprachförderung im letzten Kindergartenjahr. Die kurzfristige Änderung macht der Stadt Probleme.

Fast 422.000 Euro für die vorschulische Sprachförderung überweist das Land Niedersachsen zum neuen Kita-Jahr an die Stadt. Eine gute Nachricht für Delmenhorst, die das Kultusministerium gestern publik machte, – aber dass die Schulen sich ab August ohne Übergangsfrist ganz aus der Sprachförderung in den Kindergärten zurückziehen, setzt Stadt und Kita-Träger unter Druck. Denn der Fachkräftemangel erschwert es, die neuen, bei der Stadt angesiedelten Stellen sofort zu besetzen.

Drittel der Kinder spricht nicht vorrangig Deutsch

Fast ein Drittel der Drei- bis Sechsjährigen (661 von 1936) in den 115 Delmenhorster Kindergartengruppen spricht in seiner Familie nicht vorrangig Deutsch. Sie alle gerade im letzten Kitajahr sprachlich gut auf die Schule vorzubereiten, ist Ziel der Sprachförderung nach dem gerade verabschiedeten Kindertagesstätten-Gesetz, das ab August greift.

Koordinator mit halber Stelle

Stadt und Kita-Trägerarbeitsgemeinschaft haben sich geeinigt, 15 Prozent der Fördermittel für eine halbe Koordinatorenstelle sowie die Weiterentwicklung des Sprachförderkonzepts, Fachberatung und Fortbildungen auszugeben. 85 Prozent des Geldes bleiben für Sprachförderkräfte, erklärt der Fachdienstleiter Kindertagesbetreuung Gerd Galwas.

Vier zusätzliche Vollzeitstellen entstehen

Vier zusätzliche Vollzeitstellen entstehen damit in einem Pool von Sprachförderkräften, aus dem die Kitas in Trägerschaft der Lebenshilfe, des Roten Kreuzes, der Stadt sowie die Waldorf-Kita komplett versorgt werden. Die Arbeiterwohlfahrt und die evangelische Kirche erhalten weniger Stunden aus dem Pool, beschäftigen ergänzend dazu aber ihre bereits erprobten Sprachförderkräfte weiter, die bisher mit den jüngeren Kindern gearbeitet haben. Und die katholischen Kitas verwenden ihren Anteil komplett für eigene Sprachförderkräfte.

Unbefristete Stellen leichter zu besetzen

Inhaltlich gut, aber schwer umsetzbar: So wertet Fachdienstleiter Galwas die Neuerung. Problematisch findet er vor allem, dass die an den Grundschulen ebenfalls dringend benötigten Lehrer aus den Kitas „von jetzt auf gleich ganz abezogen“ werden. „Das wird auf dem Rücken der Kinder ausgetragen“, sagt er. Gut sei immerhin, dass die Stellen nur bis zur Genehmigung des Stellenplans 2019 befristet sind und dann entfristet werden können, da die Fördermittel langfristig fließen sollen. Damit werden die Stellen attraktiver für Erzieher oder Sozialassistenten, die bestenfalls Erfahrungen mit Vorschulkindern und in der Sprachförderung vorweisen können.