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„Science Konzert“ im HWK Was die Klänge der Neuen Musik im Gehirn auslösen

Von Dirk Hamm | 06.07.2018, 20:46 Uhr

Klangexperimente im Wissenschaftstempel: Das „Science Konzert“ im Hanse-Wissenschaftskolleg (HWK) hat rund 70 Zuhörern spannende Einblicke in die Neue Musik und zugleich in die Neurowissenschaften geliefert.

So sehr man sich auch bemüht, es sind einfach keine wohlklingenden Melodien, Halt gebenden Rhythmen und sich wiederholenden Strukturen zu erkennen: Stücke der Neuen Musik können für ungeübte Ohren recht anstrengend sein. Dabei haben Kompositionen dieses eher als Sammelbegriff unterschiedlicher Strömungen zu begreifenden Genres ihren ganz eigenen Reiz, wie rund 70 Besucher eines ungewöhnlichen Konzerts am Donnerstagabend im Hanse-Wissenschaftskolleg (HWK) erfahren konnten.

Ungewöhnliches Format soll Genre schmackhaft machen

Eingeladen hatte der Verein Realtime – Forum Neue Musik, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, die Neue Musik auch mit unkonventionellen Formaten bekannter zu machen. Formaten wie dem „Science Konzert“ im HWK-Hörsaal mit der renommierten Konzertpianistin Claudia Birkholz, die zugleich 1. Vorsitzende des Vereins ist.

Dabei ergänzten sich Kunst und Wissenschaft kongenial: Die Pianistin spielte am Flügel kurze Klangbeispiele aus Werken von Komponisten wie Chopin, Schönberg und Ligeti. Der Neurowissenschaftler Dr. Ben Godde von der Jacobs University Bremen demonstrierte dazu unter anderem, welche Hirnregionen beim Zuhörer, aber auch bei der Künstlerin aktiviert werden und welche Verarbeitungsprozesse sich im Gehirn abspielen.

Musikalische Häppchen und Gestaltgesetze

Anhand der von Birkholz gelieferten „vielen wunderbaren kleinen Häppchen“, so Moderator Ralf Besser, arbeitete der Wissenschaftler die vier „Gesetze der guten Gestalt“ heraus. Stark verkürzt gesagt: Das menschliche Gehirn kann nur das wahrnehmen, was es schon kennt. Und genau da hapert es bei mit den Klangmustern der Neuen Musik nicht so vertrauten Zuhörern. Das zeigte sich immer wieder im moderierten Dialog mit dem Publikum im HWK. Nur wenigen Zuhörern gelang es, die Gestaltgesetze in den kurzen Stücken herauszuhören.

Zum Abschluss der informativen Klangexkursion zeigte Claudia Birkholz mit ihrer Eigenkomposition „Printmusic“ die Faszination der Neuen Musik auf. Dabei griff sie direkt in die Saiten des Flügels und entlockte dem Instrument stark an Alltagsgeräuschen angelehnte Klänge.