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Sechs Jahre Haft Delmenhorster Drogendealer muss selbst in den Entzug

Von Ole Rosenbohm | 02.11.2017, 18:19 Uhr

Wiederholt fand die Polizei Drogen wie Amphetamine und Ecstasy bei ihm – beim letzten Mal auch Waffen. Darum wurde jetzt ein 33 Jahre alter Delmenhorster zu sechs Jahren Haft verurteilt. Bald muss er aber erst einmal selbst in den Entzug.

Zu sechs Jahren Haft hat das Landgericht Oldenburg am Donnerstag einen 33-jährigen Delmenhorster verurteilt. Dem geständigen Mann war bewaffneter unerlaubter Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vorgeworfen worden. Mindestens drei Jahre handelte er hauptsächlich mit Amphetaminen und Ecstasy, war auch selber abhängig. Das Gericht ordnete die Einweisung in eine Entzugsklinik an.

Polizei findet zum wiederholten Male größere Mengen Drogen

Verhaftet wurde der 33-Jährige im Juni, nachdem die Polizei schon zum dritten Mal seit 2015 größere Mengen Drogen zum Verkauf bei ihm in der Wohnung gefunden hatte, zudem verbotene Waffen: zwei Schlagringe, ein Messer und ein Elektroschocker. Sieben weitere Monate wird er jetzt absitzen müssen, danach die Entziehungskur beginnen. Schafft er die Therapie, kommt er – nach dann der Hälfte der Haftzeit – zur Bewährung frei. Bricht er ab, muss er zurück ins Gefängnis.

Verteidigung und Anklage wollen Entzug in Klinik

Mit dem Urteil näherte sich das Gericht Strafverteidiger Axel Himmelmann an, der seinen Mandanten schnell in einer Klinik sehen wollte und blieb acht Monate unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die aber ebenfalls die Klinik-Einweisung beantragt hatte.

Drogenhändler mit „sanftem Gemüt“

Himmelmann hatte Erfolg mit seiner Forderung, die Taten als minderschwere Fälle (Höchststrafe zehn statt 15 Jahre) zu begreifen: Seine höchst problematische Kindheit hätte den Angeklagten zu den Drogen geführt, Suchtdruck und Schulden zum Händler gemacht. Die als Sammlerstücke aufbewahrten Waffen würde sein Mandant zudem nie einsetzen, zu sanft sein Gemüt. Und der Knast sei für die Resozialisierung schädlich.

„Unheimlich dumm agiert“

Die Vorsitzende Richterin Judith Blohm sah das ähnlich: Nach Aktenlage hätte man einen Hochkriminellen erwartet, in der Verhandlung aber das Bild eines sympathischen Mannes bekommen, der viel mitgemacht habe, in einen Teufelskreis geraten sei, dann aber „unheimlich dumm agiert hat“, sagte Blohm: „Kommen Sie da raus – sonst wachen Sie mit 50 auf, und Ihr Leben ist vorbei.“