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Seit vier Monaten in Delmenhorst Neue HWK-Rektorin will den offenen Geist vorleben

Von Marco Julius | 01.02.2019, 08:03 Uhr

Seit vier Monaten leitet die Wahl-Bremerin Prof. Kerstin Schill das Hanse-Wissenschaftskolleg in Wo sie die Stärken des Hauses und zukünftige Aufgaben sieht, hat sie im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert.

Wenn am 1. Februar geladene Gäste in das Hansewissenschaftskolleg ( HWK) kommen, dann werden sie bei einem Neujahrsempfang erstmals von Prof. Dr. Kerstin Schill begrüßt. Noch ist die Nachfolgerin von Prof. Dr. Reto Weiler erst vier Monate im Amt. Und doch wird sie eine Gastgeberin sein, die sich bereits wie zuhause fühlt. „Ich bin angekommen“, sagt die Professorin für Kognitive Neuroinformatik in ihrem süddeutschen Dialekt und wirkt dabei aufgeräumt.

Besondere Atmosphäre

Ihre Vorstellungen jedenfalls, die habe das HWK bei Weitem übertroffen. Die Entscheidung, nach Delmenhorst zu gehen, die hatte sie vor ihrem Antritt vor allem damit begründet, dass am HWK eine echte Interdisziplinarität gelebt wird. „Meine Ideen davon sind noch übertroffen worden. Hier am Lehmkuhlenbusch herrscht eine ganz besondere Atmosphäre. Hier findet sich ein Ort, wo sich Wissenschaftler aus aller Welt und aus den unterschiedlichsten Disziplinen treffen“, sagt die Wahl-Bremerin. Die Spannbreite der Forschung sei das Allerfaszinierendste, für sie als Rektorin. Das sei ein Alleinstellungsmerkmal – und das gelte nicht nur für Deutschland. Nicht umsonst ist das HWK eines von weltweit etwa 25 renommierten Institutes for Advanced Study. Die Nähe zu den Unis in Oldenburg und Bremen hilft dabei. „Die kurzen Wege sind ein Plus. Als ich noch in München war, musste ich innerhalb der Stadt zwischen zwei Uni längere Fahrtstrecken in Kauf nehmen“, sagt Schill.

Internationale Beachtung

Hier in Delmenhorst in der Wissenschaftsregion Nordwest werde internationale Forschung betrieben, „die auch international Beachtung findet – und die viele internationale Projekte anschiebt“, betont Schill.

Beim Neujahrsempfang werden die Fellows, so heißen die Wissenschaftlers, die für einen gewissen Zeitraum ans HWK kommen, um hier unter besten Bedingungen zu arbeiten, in kurzen Vorträgen über ihre Fragestellungen und ihre Ergebnisse berichten. Mit jedem Satz der Rektorin wird deutlich, wie sehr sie selbst neugierig ist auf das, was in ihrem Haus passiert. Den Forscherdrang und den Wissensdurst einer Wissenschaftlerin hat sie nicht verloren, auch wenn sie jetzt auch zuständig ist, wenn es durch ein Fenster zieht oder andere Sanierungen im Haus, das 1997 gegründet wurde, angeschoben werden müssen.

Campus-Charakter mit offenem Geist

Der Campus-Charakter, der ist ihr wichtig. Der offene Geist, der herrschen soll, den will sie vorleben – gerade in Zeiten, in denen Wissenschaft in vielen Ländern angezweifelt werde. „Emotionen statt Fakten, das ist ein Trend, der sich beobachten lässt. Man denke nur an die Leugnung des Klimawandels. Das ist beängstigend. Wir Wissenschaftler müssen uns klar positionieren. Wissenschaft ist eine zentrale kulturelle Errungenschaft“, sagt Schill.

Dass unter den Fellows Freundschaften entstehen, die auch nach der Zeit in Delmenhorst halten, dass Kinder von Fellows in Delmenhorst zu Schule gehen, Fellows in die Sportvereine, dass es eine starke Vernetzung gibt, das ist der Rektorin extrem wichtig.

Ethisch-moralische Verantwortung

Wichtig sind ihr auch Themen wie die Digitalisierung und Künstliche Intelligenz – und wie sich diese Themen auf die Gesellschaft und das Zusammenleben auswirken. Stets im Blick bleiben müsse dabei die ethisch-moralische Verantwortung.

Die Rolle des HWK will sie dabei noch stärker in den Fokus rücken. Die Präsenz, die in der Welt der Wissenschaft sehr stark sei, will sie auch in einer breiteren Öffentlichkeit ausbauen. „Wir machen hier gute Arbeit. Und das dürfen gern noch mehr Menschen mitbekommen.“