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Sieben Grad in der Wohnung Kaputte Heizung – Delmenhorster Mieter frieren tagelang

Von Yannick Richter | 07.01.2016, 19:51 Uhr

An der Thüringer Straße in Delmenhorst leben die Bewohner eines Mehrparteienmietshauses seit Tagen ohne Heizung in ihren Wohnungen. Einige Mieter beschweren sich lauthals und erheben schwere Vorwürfe.

Spätestens seit dem Wintereinbruch am vergangenen Wochenende laufen die Heizungen in Delmenhorst auf Hochtouren. In einem Haus am Rande des Wolleparks kam es nun zum Ende der letzten Woche zum Super-GAU, denn dort fällt seit geraumer Zeit die Heizung aus. Nachdem Teile des Mietshauses, das insgesamt 42 Mietparteien beheimatet, mittlerweile tagelang nicht mehr richtig beheizt werden, gehen die Mieter allmählich auf die Barrikaden und erheben schwere Vorwürfe gegenüber dem Vermieter. „Die Hausverwalter nehmen billigend hin, dass sich Kinder bei Temperaturen von unter acht Grad in der Wohnung aufhalten und dort schlafen“, äußert Jessica Fricke ihren Unmut.

Mieter bemängeln fehlende Hilfe

Jessica Fricke lebt gemeinsam mit ihrem Mann und drei Kindern im Erdgeschoss des Mehrfamilienhauses. Um sich vor der Kälte zu schützen, habe die Familie mittlerweile Heizstrahler in der Wohnung aufgestellt, erklärt die Delmenhorsterin im Gespräch. Mangelhaft sei zudem die Hilfsbereitschaft der Hausverwaltung . „Die Zusammenarbeit gestaltet sich äußerst schwierig. Bei Anrufen und E-Mails kommen keinerlei Reaktionen“, beschwert sich Fricke über die unzureichende Kooperationsbereitschaft des Vermieters. Verwaltet wird das Gebäude von der Immobiliengruppe Altro Mondo aus Hannover. Auf schriftliche Nachfragen und Rückrufbitten seitens unserer Zeitung reagierte die Gesellschaft nicht.

Mieterschutzbund informieren

Auch die Stadt kann den Mietern nur bedingt helfen. „Uns sind die Hände dort gebunden. Es handelt sich um eine private Angelegenheit zwischen Mieter und Vermieter, da dürfen wir rein rechtlich nicht einschreiten“, verrät Rudolf Mattern, Fachbereichsleiter Soziales der Stadt Delmenhorst. „Grundsätzlich kann ich aber nur allen ans Herz legen, notfalls den Mieterschutzbund zu informieren und sich dort beraten zu lassen“, fährt der städtische Mitarbeiter fort.

Reparaturarbeiten laufen

Keinen Vorwurf macht Jessica Fricke dagegen dem lokal ansässigen Unternehmen Pruschko, das sich um die Reparaturarbeiten kümmert. „Die Mitarbeiter tun, was sie können. Aber leider müssen sie sich wegen jeder Kleinigkeit eine Erlaubnis von Altro Mondo aus Hannover einholen“, erklärt die dreifache Mutter weiter. Nachdem zunächst eine Heizungspumpe repariert worden sei, stellte sich heraus, dass noch eine weitere Heizungspumpe nicht voll funktionsfähig sei. „Um aktiv werden zu können, brauchen wir zunächst den Auftrag der jeweiligen Firma“, erklärt Bärbel Pruschko von der gleichnamigen Firma für Haus- und Gebäudetechnik das Dilemma. Die Zusammenarbeit mit Altro Mondo bezeichnet sie als „unproblematisch“, gleichwohl kann sie natürlich die Unzufriedenheit der Mieter verstehen. Um Familie Fricke zu helfen, stellte die Firma zwei weitere Heizlüfter zur Verfügung und gab am Donnerstagabend bekannt, dass sie den abschließenden Bearbeitungsauftrag von Altro Mondo erhalten habe und voraussichtlich im Laufe des Vormittags am Freitag das gesamte Mietshaus wieder beheizt werden könne. Dann hätte das Zittern ein Ende.