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Silvestershow im Kleinen Haus Funke springt trotz heißer Rhythmen erst spät über

Von Dirk Hamm | 01.01.2016, 17:13 Uhr

Rhythmen und Melodien aus Lateinamerika haben den Jahresabschluss im Kleinen Haus bestimmt. Die Show „Pasión de Buena Vista“ ließ aber einige Wünsche offen.

Mehr als 1000 Konzertbesucher haben sich an Silvester im Kleinen Haus mit heißen lateinamerikanischen Rhythmen auf die Partys zum Jahreswechsel einstimmen lassen. Das Ensemble der kubanischen Musik- und Tanzshow „Pasión de Buena Vista“ legte zwei Vorstellungen hin, am Nachmittag blieben dabei nur einige wenige Plätze im Theatersaal unbesetzt, am Abend war das Kleine Haus ausverkauft.

Rumba, Salsa, Cha-Cha-Cha, elegante Tänzerinnen und Tänzer, die fortwährend die Hüften kreisen ließen, exzellente Stimmen, extravagante Kostüme: Alle Zutaten waren bereitet, um den Zuschauern das Lebensgefühl einer aufregenden karibischen Nacht zu vermitteln. Und dennoch wollte der Funke nicht so recht überspringen. Zumindest im ersten Teil des Programms, als die Akteure auf der Bühne angesichts der verhaltenen Reaktionen des Publikums immer wieder zu Applaus und zum rhythmischen Mitklatschen animieren mussten.

Besondere Momente blieben aus

Der Titel der Show ist bewusst an das große Vorbild der kubanischen Altmeister angelehnt, die in den 90er Jahren mit dem Album und Dokumentarfilm „Buena Vista Social Club“ zu Weltruhm gelangten. Doch an deren besondere Magie kamen die Darbietungen der 19 Instrumentalisten, Tänzer und Sänger der „Pasión de Buena Vista“ nicht heran. Spezielle Momente, die auch der wenig mit der lateinamerikanischen Musiktradition vertraute Zuschauer angesichts von bekannten Titeln wie „Guantanamera“ oder „Bésame mucho“ erwarten konnte, blieben Fehlanzeige. Im immer gleichen atemlosen Tempo, das die fraglos glänzend aufgelegten Instrumentalisten vorlegten, wurde ein Stück nach dem anderen abgespult. Mal einen Gang zurückzuschalten, einen Hauch Melancholie und Romantik zuzulassen, das blieb bei der Dauerberieselung auf der Strecke.

„Da fehlt noch die kubanische Seele“, brachte es eine Zuschauerin im Pausengespräch auf den Punkt. Nicht geschadet hätte es auch, wenn die Truppe, die seit Wochen durch die deutschsprachigen Länder tourt, den ein oder anderen deutschen Satz in ihre ausnahmslos auf Spanisch vorgetragenen Ansagen eingestreut hätte, oder wenigstens ein paar Worte auf Englisch.

Die drei Hauptsänger wussten zu überzeugen

Im zweiten Teil des rund zweistündigen Programms wurde nicht alles gut, aber vieles besser. Eine fulminante Tanznummer zu Beginn entfachte einen ersten Anflug von Begeisterung. Zu gefallen wussten auch die drei Hauptsänger des Ensembles, neben der souverän agierenden Lisbet Castillo mit Guillermo Puebla und Augusto Blanco zwei ältere Charmeure mit viel Schmelz in der Stimme.

Und abgesehen von den zunehmend nervenden permanenten Aufforderungen zum Applaus wurde das Publikum jetzt aktiv einbezogen: Zahlreiche Besucher folgten der Einladung auf die Bühne und riefen mal mehr, mal weniger zahm das in der Tanzschule Gelernte ab. Am Ende bedachten die Zuschauer eine nicht perfekte, aber doch Lust auf die abendliche Silvesterparty weckende Show mit kräftigem Beifall.