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Situation bei Klassenfahrten noch offen Urteil erschwert Planung für Delmenhorster Schulen

Von Jan Eric Fiedler | 10.06.2015, 20:25 Uhr

Statt 24,5 Stunden sollen Gymnasiallehrer wieder 23,5 Stunden arbeiten. Das stellt die Schulleitungen vor Herausforderungen bei der Planung. Die Gewerkschaft GEW begrüßt das Urteil.

Knapp vier Vollzeitstellen macht das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg zur Unterrichtszeit der Gymnasiallehrer am Gymnasium an der Willmsstraße aus. Das Gericht hatte geurteilt, dass die Erhöhung der Arbeitszeit von 23,5 auf 24,5 Unterrichtsstunden im vergangenen August die Grundrechte der Lehrer verletzt.

70 bis 80 Stunden fehlen

„Mir fehlen dann rund 80 Einzelstunden“, sagt Willms-Schulleiter Stefan Nolting. Auch am Max-Planck-Gymnasium sind es 70 bis 80 Stunden, wie Schulleiterin Cordula Fitsch-Saucke berichtet: „Dazu kommen die jetzt schon nicht üppigen Personalressourcen.“ Wie die Schulen das neue Schuljahr planen können, steht noch nicht fest, denn die Landesregierung hat noch die Möglichkeit, auf der nächsthöheren Instanz gegen das Urteil vorzugehen. „Ich hoffe auf die politische Klugheit, dieses Urteil anzuerkennen und die Konsequenzen daraus zu ziehen“, sagt Fitsch-Saucke.

Schulen brauchen Planungssicherheit

„Ich finde es gut, dass das Urteil zu diesem Zeitpunkt kommt“, sagt die Schulleiterin. So besteht für die Landesregierung noch die Möglichkeit, Regelungen für das neue Schuljahr zu erlassen. Das ist für die Planung der Schulleiter wichtig. „Bevor wir die Rahmendaten nicht kennen, können wir nicht in eine Unterrichtsplanung und -gestaltung einsteigen. Nicht, bevor wir nicht wissen, wie viele Stellen wir zugesprochen bekommen und besetzen können“, sagt Nolting.

Viele Bewerber zur Verfügung

Die möglichen Stellen zu besetzen, ist laut Fitsch-Saucke problemlos möglich, da viele qualitativ gute Bewerber zur Verfügung stehen. „Da zuletzt sehr sparsam eingestellt worden ist, haben wir die Referendare von Februar und von diesem Halbjahr zur Verfügung“, erklärt Nolting.

Klassenfahrten gestrichen

Aus Protest gegen die von der Landesregierung verordnete Mehrarbeit haben die Gymnasiallehrer im vergangenen Jahr die Klassenfahrten als freiwillige Leistung gestrichen. Im April hatten wiederum rund 250 Schüler am Maxe gegen diesen Boykott protestiert . Schulleiterin Fitsch-Saucke kann ihnen noch keine Änderung der Situation verkünden: „Die Kollegen sind sicher offen dafür, aber erst, wenn ein endgültiges Urteil feststeht.“

Gewerkschaft begrüßt Urteil

Die Lehrergewerkschaft GEW sieht das Urteil positiv: „Es ist nur zu begerüßen“, sagt Lutz Gündel, Vorstandsmitglied im GEW-Kreisverband Delmenhorst. Er bemängelt, dass die Entscheidung für die zusätzliche Unterrichtsstunde seiner Meinung nach aus rein finanziellen Gesichtspunkten getroffen wurde. Studien zur reellen Arbeitszeit der Lehrer hätten keinen Einfluss gehabt. „Es hat keine Untersuchung der Grundlagen gegeben. Das wurde auch vom Gericht bemängelt“, sagt er.

Langzeituntersuchung läuft

Auf Initiative der GEW läuft derzeit in Niedersachsen eine Langzeituntersuchung zur reellen Arbeitsbelastung von Lehrern an den unterschiedlichen Schulformen. Auch Delmenhorster Schulen nehmen daran Teil. „Ob das Land Schlüsse daraus zieht, ist eine andere Frage“, sagt Gündel.