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So viele Kitten wie nie Tierschutzhof Delmenhorst kämpft mit Katzenflut

Von Mareike Bader | 10.07.2017, 16:43 Uhr

Süß und freundlich, wie er ist, begrüßte der kleine Emil Mitte Juni die Mitarbeiter auf dem Tierschutzhof Delmenhorst – er war dort ausgesetzt worden. Ein Schicksal, das nicht nur zur Sommerferienzeit viele Tieren ereilt.

Eines Morgens war Emil einfach da, lief frei auf dem Hof herum und begrüßte die Mitarbeiter. Ob Emil noch Geschwister hatte, die mit ausgesetzt wurden, ist nicht bekannt. „Die können ja auch verscheucht worden sein“, sagt Marc van der Velde, Pressesprecher des Delmenhorster Tierschutzvereins. Denn auf dem Tierschutzhof am Schillbrok leben auch sieben freilaufende Hofkatzen.

„Das ist gefährlich“, warnt van der Velde. Für Fundtiere aus Delmenhorst und dem Landkreis allgemein ist jedoch das Tierheim Bergedorf in der Gemeinde Ganderkesee zuständig. „Es sind leider Gottes nicht wenige Fundtiere“, weiß Nadine Strathoff, ausgebildete Tierpflegerin im Tierheim. Besonders oft würden in Delmenhorst und Ganderkesee ausgesetzte Tiere gefunden, aber auch in Großenkneten, wofür das Tierheim neuerdings auch zuständig ist.

Aussetzen von Haustieren ist verboten

Das Aussetzen von Tieren beschränke sich in der Region aber nicht auf die Sommerferienzeit, so Strathoff: „Das geht leider durchgehend das ganze Jahr hinweg.“ Nach Information des Deutschen Tierschutzbüros werden jährlich 500.000 Tiere in Deutschland ausgesetzt. Dabei ist das Aussetzen von Tieren nach Paragraf 3 des Tierschutzgesetzes verboten, wie die Tierschutzorganisation Tasso bekräftigt. Sie verweist auf ein Bußgeld von bis zu 25.000 Euro.

Oft würden die Tiere aus gesundheitlichen oder finanziellen Gründen abgegeben, so Marc van der Velde. Es helfe, bereits bei der Entscheidung ein Tier aufzunehmen sich zu fragen, welches Tier man haben will und sich leisten könne, sagt Nadine Strathoff. „Da muss man ehrlich zu sich selbst sein“. Denn allein die komplette Impfung für einen Hund schlage mit etwa 60 Euro zu Buche, die jährliche Impfung für Katzen koste etwa 30 bis 40 Euro, so die Tierpflegerin.

Happy End für Emil

Nach der dreiwöchigen Quarantänezeit wurde Emils Fall auf Facebook gepostet. So fanden sich schnell neue Besitzer für den süßen Kater. Doch es warten noch viele kleine Katzen auf dem Tierschutzhof auf ein neues Zuhause. „So viele Kitten hatten wir noch nie“, klagt Brigitte Kall, Vorsitzende des Tierschutzvereins, der sich komplett durch Spenden finanziert.

Seit Mai pflege der Tierschutzverein durchgehend um die 40 kleine Katzen auf dem Hof. Dabei gilt in Delmenhorst die Kastrationspflicht für Katzen, allerdings nicht in Ganderkesee oder Brake. „Die Dunkelziffer kennt keiner,“ sagt Kall über die Anzahl ausgesetzter Tiere.

Katzen sind keine Alleingänger

Wenn die Katzen zwölf Wochen alt sind, können sie vermittelt werden – das ist die sogenannte „Sozialisierungsgrenze“, wie Marc van der Velde erklärt. Auch danach sei es wichtig, dass die Katzen nicht alleine leben. „Es ist eine weitverbreitete Meinung, dass Katzen Alleingänger sind. Aber einzeln gehalten, langweilen sie sich“, sagt van der Velde.

Dafür sind Katzen bei der Urlaubspflege eher genügsam. „Wenn es Freigänger sind, reicht es, sie zu füttern“, sagt van der Velde. Die Betreuer sind meistens auch Fremde für die Katzen. Wenn mit ihnen ein bisschen geschmust werde während die Besitzer im Urlaub sind, wäre das optimal. Wer außerhalb von Pensionen eine Unterkunft für das eigene Haustier sucht oder eins aufnehmen kann, dem empfiehlt Marc van der Velde die Urlaubsaktion „Nimmst du mein Tier, nehm ich dein Tier“, für die der Tierschutzverein die Kontaktvermittlung in der Region übernimmt.