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Jugendliche setzen sich ein So will die Nacht der Jugend ein Zeichen für die Menschenwürde setzen

Von Frederik Grabbe | 20.09.2019, 16:03 Uhr

Gegen Rechts, gegen das Vergessen – für die Vielfältigkeit: Die Nacht der Jugend in Delmenhorst rückt 2019 die Würde des Menschen in den Fokus. Dafür haben die Organisatoren ein großes Programm auf die Beine gestellt.

Sie soll ein Zeichen gegen Rechts sein – und ein Stück Erinnerungskultur: Die Nacht der Jugend in Delmenhorst bringt alle zwei Jahre Kinder und Jugendliche aus der Stadt zusammen, um miteinander in Kontakt zu treten und zu diskutieren. Zum Beispiel über die Menschenwürde, so wie in diesem Jahr am 8. November, 17 bis 22 Uhr in der Volkshochschule (VHS) und der Turbinenhalle. Am ersten Artikel des Grundgesetzes "Die Würde des Menschen ist unantastbar", das 2019 70 Jahre alt wird, orientiert sich das Motto der diesjährigen Auflage der Nacht der Jugend.

An ihr beteiligen sich – Stand bis jetzt – 37 Einrichtungen und Akteure. Drei weitere könnten noch hinzu kommen, sagt Jürgen Schulenberg vom Verein "Breites Bündnis gegen rechts", der zusammen mit der Stadt Delmenhorst Veranstalter ist. Kommt es so, wäre es die teilnehmerstärkste Nacht der Jugend der vergangenen Jahre, sagt Schulenberg. Insgesamt werden rund 800 Besucher erwartet.

Geballtes Programm wartet

Und die können sich auf ein geballtes Programm gefasst machen: Theater, Poetry-Slams, selbst verfasste Rap-Songs, Tänze, Debatten, Live-Musik und vieles mehr gibt zu erleben. Unter den Teilnehmern sind altbekannte Akteure dabei, wie die Jugendhäuser der Stadt. Aber auch Neulinge wie die Delme-Werkstätten aus Weyhe beteiligen sich an dem Programm.

  • Die Delme-Werkstätten haben aus behinderten und nicht behinderten Menschen eine Sambatruppe zusammengestellt und wollen im November auf Trommeln "schönen Lärm für die Würde des Menschen" verbreiten, wie es Marlies Lüdeke vom Fachdienst Jugendarbeit der Stadt ausdrückt.
  • Ein weiterer musikalischer Beitrag wird vom Rapper "LiL Rush" kommen, ein syrischer Flüchtling, der extra für die Nacht der Jugend ein Stück über Frieden einüben wird.
  • Eine der größten musikalischen Gruppen wird wohl das Willms-Gymnasium stellen, das mit 50 Sängerinnen und Sängern Lieder zum Motto vortragen wird.
  • Auch das andere Gymnasium der Stadt, das Maxe, ist dabei: "Die Schüler haben eine Petition an den Bundestag verfasst, die darum ersucht, den Rassebegriff aus Gesetzestexten zu entfernen", so Lüdeke. Zu dem Projekt gibt es einen Infostand bei der Nacht der Jugend.
  • Das Nachbarschaftsbüro Wollepark will die "Würde" aus einem lokalen Blickwinkel beleuchten: So haben Jugendliche die Welt des Quartiers mit Bewohner-Interviews und Fotos erforscht. Eine multimediale Präsentation soll die Ergebnisse zeigen.
  • Die Integrierte Gesamtschule (IGS) will sich mit der Ausstellung "Nie wieder Ausschwitz" beteiligen. Darin wird an die Leiden der Bevölkerung zweier griechischer Dörfer während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg erinnert. Ein Austauschprojekt soll die Versöhnung fördern.
  • Das Jugendparlament stellt zum Motto eine Podiumsdiskussion zwischen Delmenhorster Schülern, Politikern, Kirchenleuten und anderen Personen aus der Gesellschaft auf die Beine. Dabei soll auch der Rechtsruck in der heutigen Gesellschaft – siehe Landtagswahlen im Osten Deutschlands – thematisiert werden.

Diese und viele andere Beiträge werden bei der Nacht der Jugend erwartet. Susanne Heidar (15) vom Stadt-Jugendparlament hofft, dass Jugendliche danach "mehr Respekt im Umgang miteinander" entwickeln, mehr die Würde des anderen achten und – mit Blick auf die Erinnerung der Gräuel im Dritten Reich – aus der Vergangenheit lernen. Für Heidar steht fest: "Nichts darf in Vergessenheit geraten."

Eine vollständige Liste aller Akteure bei der Nacht der Jugend wird im Laufe der kommenden Woche auf der Facebook-Seite der Delmenhorster Nacht der Jugend einsehbar sein.