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Sommerkonzert mit Los Temperamentos Barockmusik mit spanischem Flair in Delmenhorst

Von Mareike Bader | 13.07.2017, 19:34 Uhr

Von wegen sanft und ruhig: Das Konzert mit Musik des Barocks aus Frankreich, Holland und der iberischen Halbinsel überraschte mit schwungvollem, rhythmischem Klang.

Passend zu Domenico Scarlatti, der für seine 555 Cembalosonaten bekannt ist, stand Nadine Remmert am Tasteninstrument beim letzten Satz der Sonata in d-Moll, K 89, im Vordergrund. Hugo de Rodas an der Barockgitarre und Néstor Cortés am Barockcello übernahmen die Continuo-Begleitung. Mit schnellen Rhythmen boten die drei Musiker des Bremer Ensembles Los Temperamentos ein nahezu feuriges Spiel, das nicht nur Gitarrist de Rodas zum Lächeln brachte.

Zuvor hatten die drei Musiker Scarlattis Sonate um einen Satz erweitert, bei dem das Cembalo weitgehend stumm blieb. Cortés und de Rodas bewiesen hier ihren eigenen Umgang mit der barocken Musik und vermischten damals selbstverständliche Improvisationen mit lateinamerikanischen Einflüssen.

Gitarrenland Spanien

Bereits zur damaligen Zeit habe es diese Einflüsse in Europa gegeben, bekräftigt Cembalistin Nadine Remmert im Gespräch. Daher passe auch die Gitarre. „Spanien ist ja das Gitarrenland überhaupt“, sagte Remmert. Die Beziehung zwischen Lateinamerika und Europa zählt zu den Markenzeichen des Ensembles.

Rhythmisch und tänzerisch erklang auch die Cellosonate Nr.5, op.4, des niederländischen Komponisten Jacob Herman Klein, ein selbsternannter „Amatore della Musica“. Cembalo und Gitarre bildeten hier die Continuo-Gruppe. „Die Gitarre war im Barock ein ganz übliches Instrument“, erklärte Nadine Remmert und fügte hinzu, dass die Gitarre besonders gut zu rhythmischer Musik passe.

Auch in Kleins Sonate hatten die Musiker einen Satz umgearbeitet. Im schnellen dritten Satz hatten sie eine Improvisation über den 300 Jahre alten Tanz „Joropo“ angehängt. Die rhythmische Struktur in diesem Stück sei sehr ungewöhnlich für europäische Barockmusik, dafür vergleichbar mit typischen Rhythmen aus Lateinamerika, erklärte Remmert. Und so erklang dieser dritte Satz energisch und kraftvoll mit Akzenten, die an den Flamenco-Tanz erinnerten.

Leiser Konzertbeginn mit Erzlaute

Leise und andächtig hatte das Konzert begonnen, mit Hugo de Rodas solo an der Erzlaute beim ersten Satz der Cellosonate von Jean-Baptiste Barrière. Erst im zweiten Satz kam das Cello zur Geltung. Das hervorragende Spiel des französischen Komponisten hatte im 18. Jahrhundert in Frankreich zum Durchbruch des Instrumentes geführt. Kraftvoll interpretierte Cortés die schönen Melodien. Die flinken Läufe, bei denen seine Finger über das Griffbrett flitzten, wirkten dagegen äußerst leicht.

Die gut 100 Besucher des Sommerkonzerts in der Delmenhorster Stadtkirche feierten die Musiker mit langem Applaus. Erst eine Woche zuvor waren die drei Musiker eingesprungen, da Stadtkirchen-Kantorin Friederike Spangenberg nach wie vor verletzt ist. Beim nächsten Konzert der Sommerkonzert-Reihe am 19. Juli ab 18 Uhr gibt es ein Blues-Konzert mit Songs von B. B. King oder Joe Bonamassa. Der Eintritt ist frei.