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Sonnenfinsternis 2015 Sonnenfinsternis-Brillen sind Mangelware in Delmenhorst

Von Frederik Grabbe | 18.03.2015, 16:30 Uhr

Brillen mit Sonnenlichtfilter sind vor der Sonnenfinsternis Mangelware. Die EWE-Netz bereitet sich indes auf Stromschwankungen im Stromnetz vor.

Wenn sich am Freitag der Mond vor die Sonne schiebt , werden Schutzbrillen in der Stadt, um dem Gestirn bei der Sonnenfinsternis direkt ins Auge zu sehen, wohl Mangelware sein: Lediglich „Die Optiker“ an der Langen Straße bieten den speziellen Sichtschutz mit Sonnenlicht-Filter für 3,95 Euro an. Knapp 1000 Brillen wurden bestellt, 200 befinden sich noch im freien Verkauf, sagt Geschäftsführer Jörg Gehrmann. Alle anderen Optiker in der Innenstadt bieten keine Schutzbrillen an, oder nicht mehr: „Wir hatten 150 Stück, aber die waren schnell vergriffen“, berichtet Olaf Siebenhüner, Geschäftsführer von Weigmann Brillen in der Bahnhofstraße. Brillen nachzubestellen sei nicht möglich, der Markt sei leergekauft. Auch in der Nachbargemeinde wird man beispielsweise bei Ganteroptik in Ganderkesee oder bei Roseoptik in Bookholzberg kein Glück haben.

Gegensteuern in den Kraftwerken

Die Sonnenfinsternis beschäftigt nicht nur Optiker, sondern auch die Strom-Netzbetreiber. „Verfinstert sich am Freitag die Sonne, geht in kurzer Zeit der Strom, den Fotovoltaik-Anlagen produzieren, stark zurück“, sagt Torsten Maus, Geschäftsführer der EWE-Netz in Oldenburg. Da diese Anlagen in der Vergangenheit stark ausbaut worden seien, sei die Strommenge, die für den Zeitraum der Sonnenfinsternis verlustig gehe, nicht unerheblich. Maus beziffert diese Leistung für Gesamtdeutschland bei klarem Himmel auf 12 Gigawatt und stützt sich dabei auf Einschätzungen von Experten.

Die Leistung von 19 Großkraftwerken

In so einem Fall steuern die Übertragungsnetzbetreiber dagegen, indem sie bei der Stromproduktion andere Kraftwerke regulieren. Aber das Gleichgewicht zwischen Stromproduktion und Stromverbrauch, so Maus, werde am Freitag auf die Probe gestellt: Dies gelte besonders gegen Ende der Sonnenfinsternis. Vorausgesetzt, die Sonne scheint bei wolkenlosem Himmel auf Fotovoltaik-Anlagen, könnte die Stromproduktion in Deutschland sprunghaft höchstmöglich um etwa 19 Gigawatt ansteigen. „Dies entspricht der Leistung von 19 konventionellen Großkraftwerken“, verdeutlicht Maus. Ein Großkraftwerk zum Beispiel kann ein Kohle- oder Atomkraftwerk sein. Trifft dies ein, müsse die Leistung anderer Kraftwerke von den Übertragungsnetzbetreibern reduziert werden. Das könnte auch bedeuten, dass etwa Windenergieanlagen gedrosselt werden. Dies gehöre aber zum Alltag der Netzleitstelle der EWE-Netz, da sich in der Region eine große Anzahl an Windparks befänden. (Video: Kinder erklären die Sonnenfinsternis)

54.000 Anlagen im Versorgungsgebiet

In das Netz der EWE-Netz fließt dagegen vergleichsweise wenig durch Fotovoltaik-Anlagen gewonnener Strom: Fast 54.000 Anlagen im Versorgungsgebiet liefern 1445 Megawatt an Strom. In Delmenhorst stehen 440 Anlagen mit einer Leistung von 5,9 Megawatt. Der Netzbetreiber bereitet sich auf den Tag der Sonnenfinsternis vor, indem er das Personal in der Netzleitstelle aufstockt und planbare Wartungsarbeiten im kritischen Zeitraum aussetzt.

Für die Verbraucher heiße all das: Besondere Vorkehrungen sind nicht nötig. Strom sollte nicht anders genutzt werden als sonst. (Tipps: So machen Sie die besten Fotos von der Sonnenfinsternis)

Alles steht und fällt mit dem Wetter

Ohnehin steht und fällt das Szenario mit dem Wetter am Freitag: Bleibt der Himmel bewölkt, seien die Stromschwankungen „unproblematisch“. Und genau danach sieht es aus. „Mit Glück gibt’s vielleicht eine Regenpause am Morgen“, sagt Janina Wendling, Meteorologin beim Wetterdienst Wetterkontor. Am Freitag werde sich über Delmenhorst ein Niederschlagsgebiet bis in den Nachmittag hinein halten – und dann ist die Sonnenfinsternis schon vorbei. Und eine Schutzbrille wurde möglicherweise vergeblich gekauft.

Weiterlesen: Mythen um die Sonnenfinsternis 2015