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Sorge bei Sozialdienst Delmenhorst Die Kosten für Integrationshelfer explodieren

Von Kai Hasse | 19.12.2017, 10:22 Uhr

Die Kosten für Integrationshelfer in Delmenhorst vervielfachen sich. Schon während der Haushaltsdiskussion schlägt der Fachbereich Alarm. Die Anmeldezahl bei der Eingliederungshilfe in Schulen laufe Gefahr, vollkommen aus dem Ruder zu laufen.

Über eine halbe Million Euro hat die Stadt Delmenhorst für das kommende Jahr zusätzlich eingeplant, um Integrationshelfer für Kinder mit Behinderungen zu bezahlen. Und das könnte nicht einmal reichen, meint Olaf Meyer-Helfers, Fachdienstleiter des Sozialen Dienstes in der Verwaltung. „Wir haben eine massive Fallzahlsteigerung für die Eingliederungshilfe“, sagte er in einem vergangenen Ausschuss im Rahmen der Haushaltsdiskussion. Gemeint ist die Eingliederungshilfe für Kinder mit Behinderungen in der Schule, für die Integrationshelfer eingeteilt werden.

Künftig bis zu einer Million Euro Kosten

Bisher, sagt Meyer-Helfers, habe man in Delmenhorst pro Jahr etwa vier bis fünf dieser Fälle finanzieren müssen. Für das kommende Jahr gehe er von derzeit knapp 30 aus. „Tendenz eindeutig stark steigend.“ Und jede Integrationsbegleitung in der Schule koste etwa 36.000 Euro. „Das treibt uns tiefe Sorgenfalten in die Stirn“, sagte er. Man müsse versuchen, gegenzusteuern mit einem Fallmanagement oder Modellproblemlösungen. Es müsse die Überlegung geben, ob ein Integrationshelfer in der Lage wäre, mehrere Kinder gleichzeitig zu betreuen. „Sonst laufen uns die Kosten vollkommen aus dem Ruder.“ Die 560.000 Euro, die im Haushalt 2018 auf die Ursprungssumme von 240.000 Euro draufgekommen sind, gingen auf sehr vorsichtige Schätzungen des Bedarfs zurück. Meyer-Helfers rechnet bereits jetzt damit, dass 200.000 noch hinzukommen werden müssen.

Ambulante Hilfe in der Schule

Die Integrationshilfe beruht auf dem Bundessozialgesetzbuch. Demnach muss ein Kind betreut werden, wenn bei Kindern und Jugendlichen die „seelische Gesundheit [...] länger als sechs Monate von dem für ihr Lebensalter typischen Zustand abweicht und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist oder eine solche Beeinträchtigung zu erwarten ist.“ In Schulen gilt dabei die Ambulante Hilfe. Die Behinderung muss von einem Arzt bestätigt werden.

Suche nach Handlungsmöglichkeiten

Antje Beilemann (SPD), Vorsitzende des Jugendausschusses und Stadtratsvorsitzende, sieht Handlungsdruck. Sie will das Problem der Fallzahlsteigerung in die Politik bringen. „Wir müssen das dringend in der nächsten Sondersitzung mit dem Fachbereich Vier besprechen“, sagt sie – Fachbereich Vier ist Bildung, Wissenschaft, Sport und Kultur. Allerdings ist sie vorsichtig: „Ich weiß nicht, ob wir uns fachlich im Einzelfall eine Einschätzung anmaßen können – wenn ein Arzt eine Behinderung feststellt, haben wir die Hilfe umzusetzen.“ Und sie stehe vollkommen hinter der Rechtsnorm. Dennoch müsse man sich ein Bild verschaffen darüber, welche Fallzahlen es gibt, was es für Fälle im einzelnen seien, und welche Handlungsmöglichkeiten man habe.

„Wollen wir Grenzen setzen?“

In der gemeinsamen Sitzung des Sozial- und Jugendhilfeausschusses, in der das Thema am Rande angesprochen wurde, gab es auch Bedenken: „Im Mittelpunkt der Diskussion stehen Kinder und Jugendliche. Wollen wir Grenzen setzen? Sagen, was ein Extremfall ist, und welcher weniger extrem?“, fragte Andrea Lotsios (Grüne). Im Ausschuss wurde der Ruf laut nach einer „politisch schlagkräftigen Truppe, die bei den steigenden Bedarfsanmeldungen gegenhalten können.“ Meyer-Helfers: „Ich wage zu behaupten, dass es nicht in jedem Fall gut ist, wenn ein Kind jede Stunde von einer erwachsenen Person begleitet wird.“