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Sportwetten neues Phänomen Delmenhorst: Drogenkonsum unter Schülern nimmt ab

Von Frederik Grabbe | 08.06.2016, 17:58 Uhr

Jugendliche trinken weniger, rauchen weniger, kiffen aber genau so häufig, wie vor vier Jahren. Bei der Fachtagung „Rausch und Realität“ in der Markthalle am Mittwoch sind neue Kennzahlen zum riskanten Konsum in der Delmenhorster Schülerschaft veröffentlicht worden. Es zeigte sich auch: Sportwetten sind ein neues Phänomen unter Jugendlichen.

„Die Jugend von heute...“ beginnt ein bekannter Aphorismus des antiken Philosophen Sokrates. Dieser Ausspruch ist heute als versinnbildlichtes Kopfschütteln über den Zustand des Nachwuchses zu deuten. Doch manchmal ist Kritik einfach fehl am Platz. Diesen Schluss legen zumindest die Ergebnisse der neuen Delmenhorster Schülerbefragung „Riskanter Konsum“ nahe, die jetzt bei der Fachtagung „Rausch und Realität“ vorgestellt wurden. Demnach trinken Delmenhorster Jugendliche heute weniger Alkohol als zuletzt 2012 erfragt, auch wird deutlich weniger geraucht.

Riskanter Konsum geht zurück – jeder Zehnte ist suchtgefährdet

Generell sei der riskante Konsum zurückgegangen. Aber: „Jeder zehnte Schüler in Delmenhorst konsumiert Alkohol, Tabak, illegale Drogen oder Glücksspiel auf problematische Weise – das sind rund 500 Jugendliche“, ordnete Henning Fietz, Bereichsleiter Prävention von der Anonymen Drogenberatung (drob) die Studie ein.

Einige Kennzahlen:

Der Anteil der Jugendlichen, die nie Alkohol trinken, hat im Vergleich zu 2012 um zehn Prozent zugenommen. Fast 72 Prozent der Befragten rühren keinen Alkohol an. Was den regelmäßigen Konsum angeht, sind auch hier die Zahlen rückläufig. Beim häufigen Rauschtrinken zum Beispiel (fünf und mehr alkoholische Getränke bei einer Gelegenheit) hat sich der Anteil von 8,0 auf 4,5 Prozent fast halbiert. Jeder Fünfte war schon einmal betrunken, 2012 waren es knapp ein Drittel. Den ersten Kontakt mit Alkohol schließen Schüler im Schnitt mit 14 Jahren (2012: 13 Jahre).

In Sachen Rauchen zeigt sich, dass der Blaue Dunst weniger vom Bildungsniveau abhängig ist: Um die 20 Prozent der Hauptschüler und Realschüler rauchten 2012 täglich. Diese Quote hat sich jeweils mehr als halbiert, auch bei anderen Schulformen gingen die Zahlen zurück. „Das tägliche Rauchen ist in den Keller gegangen. Rauchen ist out“, kommentierte Fietz.

Aber es gibt auch Baustellen, die die Suchtberater anzupacken haben:

So sei der Cannabis-Konsum zum Beispiel immer noch „alarmierend hoch“, so Fietz. Fast 40 Prozent der 17-Jährigen hat schon einmal gekifft, jeder zehnte der 17-Jährigen kifft mindestens zwei bis vier Mal im Monat. „Das ist eine Größenordnung, mit der wir arbeiten müssen“, so Fietz. Große Veränderungen habe es in diesem Bereich in den vergangenen Jahren nicht gegeben.

Und die Baustelle der Online-Nutzung, worunter etwa Spiele oder Soziale Netzwerke fallen: Jeder Achte (13 Prozent) gibt an, problematisch viel im Netz unterwegs zu sein. Auffällig ist hier, dass leicht mehr Mädchen als Jungen betroffen sind.

Als Problem machen die Drogenberater neuerdings Sportwetten aus. So setzen 5,3 Prozent der Jungen Geld bei Online-Wetten ein, 3,6 Prozent von ihnen besuchen hierzu einmal monatlich Wettbüros oder Sportcafés in der Stadt, der gleiche Anteil wirft einmal im Monat sein Geld in Spielautomaten. Fietz: „Hier kommen bereits Minderjährige mit Glücksspiel in Kontakt. Das ist sehr bedenklich. Hier wollen wir die Glückspielprävention vorantreiben.“ Weiterlesen: Delmenhorster verzocken täglich 19.000 Euro

Trotz Erfolge ist Prävention nach wie vor wichtig

Insgesamt aber scheint die Suchtprävention, die der KPR in der Stadt seit 20 Jahren für Jugendliche leistet, zu wirken, bilanzierte Evelyn Popp, Leiterin der drob. Trotz der Erfolge sei aber Prävention nach wie vor wichtig, um Jugendliche in ihrem guten Verhalten zu bestärken, betonte Fietz. So könne der Einfluss von achtsamen Freunden auf suchtgefährdete Jugendliche erheblich höher sein, als der von Lehrern oder Präventionsberatern. Ein Faktor, den Fietz sozialer Zusammenhalt nannte.

Jahnz: „Je weniger Spielhallen, desto besser“

Auch Oberbürgermeister Axel Jahnz äußerte sich in einem Grußwort zur Spielsucht. Er griff die Spielhallenkonzessionen auf, die kürzlich neu vergeben worden sind . Dass diese nun von 23 auf 16 reduziert seien, freue ihn. „Je weniger Spielhallen, desto besser“, sagte Jahnz. Den Kriminalpräventiven Rat (KPR), der zur Tagung eingeladen hatte, bezeichnete er als „einer der wertvollsten Einrichtungen der Stadt“. „Die Stadt ist hier in ihrer Präventionsarbeit Vorreiter in Niedersachsen.“