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Sprache als Schlüssel zur Welt Bund fördert Delmenhorster Kindergärten

Von Marco Julius | 10.03.2016, 15:19 Uhr

Der Kindergarten „Zu den zwölf Aposteln“ ist einer von drei Delmenhorster Kindergärten, der vom Bundesprogramm „Sprach-Kitas“ profitiert.

„Weil Sprache der Schlüssel zur Welt“ ist“ – so lautet der Untertitel des Bundesprogramms „Sprach-Kitas“, von dem in Delmenhorst die Kindertagesstätten Hasport, Süd und der evangelische Kindergarten „Zu den Zwölf Aposteln“ in Düsternort profitieren. Letzteren hat am Donnerstag die CDU-Bundestagsabgeordnete Astrid Grotelüschen besucht, um sich über die praktische Umsetzung des Programms zu informieren.

Kinder aus 20 Nationen

Mit Kindern aus rund 20 verschiedenen Nationen geht es bunt zu im Kindergarten an der Breslauer Straße. „Wir liegen, wenn man so will, mitten im Brennpunkt“, sagte Kindergartenleiterin Johanna Mitchell. „Für über die Hälfte der Kinder bei uns ist Deutsch nicht die vorrangige Sprache.“ Genau da setzt das Bundesprogramm an, in dem es etwa die spezielle Sprachförderkraft Anne Senge-Stojek finanziert, die sich gezielt an die Sprachvermittlung macht. Bis 2019 läuft das Programm mit dem sperrigen, aber treffenden Untertitel. 100 Millionen Euro stellt der Bund bundesweit zur Verfügung, berichtete Grotelüschen. Geld, das gut angelegt zu sein scheint. Zwar hätten Sprache und Sprachvermittlung ihre Wurzeln im Elternhaus, doch Kinder übernehmen längst eine Schlüsselrolle, weil sie auch als Sprachvermittler für ihre Eltern fungieren. „Die Kinder lernen sehr schnell“, sagte Anne Senge-Stojek, die Erfolge, die durch die spielerische Vermittlung der deutschen Sprache zu erzielen sind, seien täglich zu spüren. „Dennoch bleibt es eine große Herausforderung, die den Alltag im Kindergarten beherrscht. In einer Nachmittagsgruppe sprechen von 25 Kindern nur zwei die deutsche Sprache“, betonte Johanna Mitchell. Da Kinder Sprache aber auch im Miteinander lernen, sei es wünschenswert, das mindestens ein Drittel der Kinder in einer Gruppe gut deutsch sprechen könne. Ein zweiter Wunsch im Kindergarten: Die Gruppengröße sollte reduziert werden. Zwei Erzieherinnen für eine 25 Kinder starke Gruppe sei, gerade wenn es durch den Zuzug von Flüchtlingskindern sprachliche Barrieren gebe, kein angemessenes Verhältnis.

„Kinder brauchen Freundlichkeit“

Anfangs gehe viel mit Händen und Füßen. „Kinder brauchen erst einmal Freundlichkeit, sie müssen sich, unabhängig von der Sprache, willkommen fühlen“, sagte Johanna Mitchell. Die Sprache der Kinder sei das Spiel, das funktioniere erst einmal auch ohne Worte. Auch für Pastor Fritz Martschin ist es wichtig, dass der Kindergarten eine Willkommenskultur vorlebe, so wie es auch der Stadtteil Düsternort an sich vorlebe. „Es geht nur im Miteinander, mit Toleranz. Die Kinder kommen auch regelmäßig in die Kirche, auch die muslimischen Kinder. Auch so kann man Toleranz lernen. Vor den Mahlzeiten werde gemeinsam gebetet, betonte auch Johanna Mitchell. „Das macht jedes Kind auf seine Weise.“ Schweinefleisch gebe es übrigens im Haus nicht, das sei aber längst völlig normal.

„Für meine Arbeit ist es wichtig, die Kinder zu begleiten. Ich möchte die zweit- oder drittbeste Freundin der Kinder sein“, formulierte Anne Senge-Stojek Ansprüche an ihre eigene Arbeit. Das neue Bundesprogramm sei auch deshalb so wertvoll, weil es den Austausch unter den Kindergärten fördere. So oder so: An der Breslauer Straße erhalten Kinder den Schlüssel zur Welt.