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Staatsanwaltschaft ermittelt Giftfeld an Ochtum bei Delmenhorst birgt Gefahr

Von Michael Korn | 24.06.2016, 11:31 Uhr

Dem vor allem auch bei Delmenhorster Ausflüglern und Freizeitkapitänen beliebten Naherholungsgebiet rund um die Alte Ochtum droht möglicherweise ein Umweltskandal: Ein mit Giften belastetes Spülfeld zwischen Ochtum und Sperrwerk ist jetzt ins Visier der Ermittler geraten. Wie der Landkreis Wesermarsch auf dk-Anfrage bestätigte, ist ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen einen Beteiligten eingeleitet worden.

Die von Landwirten betriebene Ochtumer Sand GmbH & Co. KG will das vom Bund nicht mehr für Baggergut aus der Weser benötigte, stark kontaminierte Spülfeld mit Boden abdecken und wieder als Grünland nutzen. Ein entsprechendes Verwaltungsverfahren ist laut Matthias Sturm, Pressesprecher der Wesermarsch , beim Landkreis seit Kurzem anhängig. Es habe hierzu eine erste Anhörung der Beteiligten gegeben. Details können aus datenschutzrechtlichen Gründen und wegen des laufenden Ermittlungsverfahrens nicht genannt werden. Der Kreis habe seine Prüfungen noch nicht abgeschlossen, „da Unterlagen aus erheblicher Vergangenheit zu sichten und auszuwerten sind“.

Nabu fordert schnelles Eingreifen

Der Naturschutzbund Stedingen indes fordert in einem Schreiben ein schnelles Eingreifen der Behörden gegen die Verfüllung des Biotops, weil „Gefahr in Verzug ist“. Nabu-Sprecher Hartmut Drebing: „Diese Maßnahme halten wir, selbst wenn das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Bremen oder eine andere Körperschaft der Bundesrepublik Deutschland es „genehmigt“ haben sollte, unter anderem für einen Verstoß im Sinne Umweltschutzgesetzes und fordern Sie auf, tätig zu werden.“

Schwermetalle, PCB und Zink im Schlick

Die Ochtumer Sand GmbH lehnt in einem Schreiben an den Landkreis sämtliche Verantwortung für Verursachung und Beseitigung der Umweltverschmutzung ab. Geschäftsführer Gerd Aumund bekräftigt darin, dass es sich bei der belasteten Fläche nicht um ein Gewässer handele, sondern um ein „nicht abgeschlossenes Spülfeld der Bundesrepublik Deutschland“. In den 70er Jahren sei das Grundstück von der Bundeswasserstraßenverwaltung zur Ablagerung von Baggergut aus der Weser genutzt. Dafür werde die Fläche jetzt nicht mehr benötigt. Der Aushub aus der Weser sei kontaminiert mit Schwermetallen, PCBs und Trichlor Zinn, wie eine Untersuchung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen von 2015 belege. Um eine Kontamination der Umwelt auszuschließen, hat sich laut Aumund das Wasser- und Schifffahrtsamt Bremen damit einverstanden erklärt, das Spülfeld mit einer Mutterbodenschicht von 30 Zentimetern abzudecken.

Landwirte seit 2015 wieder Eigentümer

Der Ochtumer Sand sei seit Jahrhunderten von den Ochtumer Landwirten als deren Eigentum bewirtschaftet worden. Lediglich wegen Bodenablagerungen aus der Weservertiefung sei das Gebiet zwecks Vermeidung eines Enteignungsverfahrens an die Reichswasserstraßenverwaltung mit der Bedingung einer Rückabwicklung übergeben worden. Dies sei im November 2015 geschehen.