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Stadt Delmenhorst fördert Suche Altes Foto soll Erinnerung an verschollene Frau wecken

Von Sonia Voigt | 31.07.2017, 16:28 Uhr

Auf der Suche nach seiner im Zweiten Weltkrieg verschollenen Tante erhält ein weißrussischer Mann jetzt Unterstützung von der Stadt Die Verwaltung bittet Zeitzeugen um Mithilfe.

Die Stadtverwaltung bittet Zeitzeugen um Mithilfe auf der Suche nach Spuren einer im Zweiten Weltkrieg verschollenen jungen Frau. Ein historisches Foto soll Erinnerungen an die möglicherweise als Zwangsarbeiterin hier eingesetzte Anna Iosifovna Tichonova wecken. Anlass ist das Schreiben eines Mannes aus der weißrussischen Hauptstadt Minsk.

Nachforschungen im Stadtarchiv und Museum ergebnislos

Dieser Aleksandr Tichonov sieht Anhaltspunkte dafür, dass seine Tante in Delmenhorst als Zwangsarbeiterin eingesetzt war. Nachforschungen im Standesamt, im Stadtarchiv sowie in Unterlagen des Nordwestdeutschen Museum für IndustrieKultur blieben allerdings erfolglos. Deshalb veröffentlicht die Stadtverwaltung nun ein Foto, um Erinnerungen zu wecken.

1942 zur Arbeit nach Deutschland verschleppt

Anna Tichonova wurde 1925 geboren und wuchs in Schejskij (heute Bezirk Krupki) im Gebiet Minsk in der damaligen Weißrussischen Sozialistischen Sowjetrepublik auf. Nach Angaben des Neffen wurde seine Tante im Sommer 1942 zusammen mit weiteren Bewohnern ihres Dorfs zur Arbeit nach Deutschland verschleppt. „Während des Krieges hat ein deutscher Soldat meiner Großmutter einen Brief und ein Foto ihrer Tochter, aufgenommen in Deutschland, überbracht“, schreibt der Mann. „Aber nach dem Krieg kehrte sie nicht nach Hause zurück.“

Spur führt in Delmenhorster Wollfabrik

Über ihren Verbleib während des Krieges hat der Neffe offenbar unterschiedliche Informationen erhalten – und eine der Spuren führt nach Delmenhorst. Demnach war Anna Tichonova am selben Ort eingesetzt wie ihre Nachbarin Sofia Petrovna Ksensova. Diese habe 1990 in einem Fragebogen der Menschenrechtsorganisation „Memorial“ angegeben, dass sie während des Krieges in Delmenhorst in einer Wollfabrik gearbeitet habe. Die Zeitzeugin ist allerdings mittlerweile gestorben, sodass der Neffe sie nicht mehr nach dem Schicksal seiner Tante befragen konnte. Doch hofft er nun, dass sich jemand an die beiden Frauen erinnern kann.