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Eigentümer laufen ins Leere Stadt Delmenhorst ist Bauland in Neuendeel zu weit draußen

Von Michael Korn | 06.02.2019, 12:42 Uhr

Eigentümer würden eine Weide in Neuendeel gerne zu Bauland machen. Doch Fledermäuse und Kröten scheinen dem entgegen zu stehen.

Ein kleines Stück hinter dem Restaurant "Perino" auf der rechten Seite der Stedinger Landstraße im Delmenhorster Stadtteil Neuendeel wünschen sich Grundstückseigentümer ein kleines Neubaugebiet. Doch die Stadtverwaltung lehnt Hausbau an der Stelle strikt ab und erklärt, das Areal liege zu weit außerhalb und sei für Kröten, Fledermäuse und Libellen unverzichtbarer Lebensraum. Am kommenden Mittwoch wollen sich die Hasberger Ortsratspolitiker eine Meinung dazu bilden, bevor der Stadtrat eine endgültige Entscheidung fällt.

Stadt fürchtet Zersiedelung

Es geht um ein Gelände östlich der Stedinger Landstraße bis hin zum See „Sandhauser Brake“. Mehrere Eigentümer sprechen sich für eine Baumöglichkeit für ein gutes Dutzend Häuser aus. Die Stadt hingegen empfiehlt den Ratspolitikern, den Antrag abzulehnen mit folgender Begründung: „Aufgabe der Stadtplanung ist es, die nachhaltige Bodennutzung zu steuern. Da sich zurzeit verschiedene Bebauungspläne mit dem Ziel der Schaffung neuer Wohnbaugrundstücke in Aufstellung befinden, lässt sich eine Inanspruchnahme von Außenbereichsflächen in der beantragten Lage – mit der Folge einer voranschreitenden Zersiedelung – fachlich nicht rechtfertigen. Sofern der vorliegende Antrag beschlossen werden würde, müsste im Rahmen der Gleichbehandlung zahlreichen weiteren Anträgen in vergleichbaren Lagen stattgegeben werden. Daraus würden eine Zunahme der Zersiedelung im Außenbereich und die Verfestigung von Splittersiedlungen folgen.“

Geschütztes Grünland

Aus naturschutzfachlicher Sicht sei eine Bebauung des seit 1994 „besonders geschütztes Feuchtgrünlands“ direkt an das Naturschutzgebiet „Sandhauser Brake und Schwarze Brake“ angrenzend bedenklich. Die im Naturschutzgebiet vorhandenen Stillgewässer sowie der sie umgebende Wald- und Gehölzbestand seien als Lebensraum zahlreicher Fledermausarten sowie als Laich- und Entwicklungshabitat für Amphibien und Libellen "von herausragender Bedeutung".

Siedlung gegenüber

Keine Erwähnung in den Unterlagen findet indes, dass die Stadt vor Jahren auf der anderen Straßenseite ein Neubaugebiet „Bei der schwarzen Straße“ am gleichnamigen ebenfalls geschützten See genehmigt hat. Darauf zielt auch Bürgermeister Hermann Thölstedt (CDU) ab, der das beantragte Bauland befürwortet. Alleine schon, weil Delmenhorst Bauland fehle und Familien deshalb nach Ganderkesee abwanderten. Außerdem verweist er auf Gespräche der Verwaltung mit den Grundstückseigentümern, in denen ein Wohngebiet in Aussicht gestellt worden sei, wenn Anlieger des Neuendeeler Weges ihre Grundstücke ebenfalls mit einbringen. Entsprechende Unterschriften liegen laut Thölstedt vor.