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Stadt prüft Mietangebote Flüchtlinge können in Delmenhorst auch privat unterkommen

Von Michael Korn | 31.08.2015, 19:54 Uhr

Können Privatpersonen eigentliche Flüchtlinge bei sich aufnehmen? Nach Angaben der Stadt ist das möglich – unter bestimmten Voraussetzungen.

Flüchtlinge können nicht nur in Sammelunterkünften untergebracht werden, sondern auch in privaten Mietwohnungen. Das hat die Stadt auf dk-Anfrage mitgeteilt. Eine private Aufnahme von Flüchtlingen sei dann möglich, wenn Privatpersonen eine in sich abgeschlossene Wohnung zur Vermietung anbieten können.

Mietvertrag mit der Stadt möglich

Wenn die Stadt von Privatpersonen Wohnungen zur Flüchtlingsunterbringung angeboten bekommt, wird laut der Mitteilung Kontakt mit dem Anbieter aufgenommen und eine Wohnungsbesichtigung vereinbart. Wenn alle Rahmenbedingungen einschließlich der Mietkonditionen stimmig sind, sei ein Mietvertrag mit der Stadt möglich.

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WG-Modell ist nicht möglich

Nicht umsetzbar ist laut Fachbereichsleiterin Petra Gerlach (Gesundheit, Verbraucherschutz und Gefahrenabwehr) „für uns als Ordnungsbehörde, dass wir Flüchtlinge bei ihrer ersten Ankunft in Delmenhorst direkt Familien zuweisen, sie folglich zwar ein eigenes Schlafzimmer haben, aber ansonsten kein getrenntes Wohnen möglich ist, sondern die Mitbenutzung von Küche und Bad sowie Gemeinschaftsräumen vorgesehen ist“.

Rechtliche Probleme

Dies sei allein aus rechtlichen Gründen sehr problematisch, da der Mietvertrag stets zwischen der Stadt und dem Vermieter abgeschlossen wird – und nicht zwischen dem Flüchtling und dem Vermieter. Dies bedeute, dass die Stadt die volle, auch haftungsrechtliche Verantwortung aus dem Mietvertrag zu tragen hat.

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Die Stadt könne nicht in die Gewährleistung gehen, falls das – von allen gewünschte gute Miteinander – nicht funktionieren sollte und sich aufgrund unterschiedlicher Erwartungshaltungen an das gemeinsame Leben und Wohnen Beschwerden oder gar Schäden ergeben sollten. Sich dann ergebende kurzfristige Ein- und Auszüge könnten nicht aufgefangen werden und würden traumatisierte Flüchtlinge weiter belasten.

„Wollen es den Flüchtlingen nicht verordnen“

„Es ist allen zu wünschen, dass das Miteinander zwischen der aufnehmenden Familie und den ankommenden Flüchtlingen so gut ist, dass ein problemloses Zusammenleben über einen längeren Zeitraum funktionieren mag. Dies können und wollen wir aber den ankommenden Flüchtlingen nicht verordnen. Sie müssen selbst für sich entscheiden dürfen, inwiefern sie direkten Familienanschluss wünschen oder nicht“, erläuterte Fachbereichsleiterin Gerlach.

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Viele Möglichkeiten, sich zu engagieren

Es gebe viele Wege, sich in der Flüchtlingsarbeit zu engagieren und zum Beispiel beim Integrationslotsenteam mitzuwirken, die die Flüchtlinge bei den ersten Schritten in Delmenhorst eng begleiten. Wenn sich hieraus freiwillige Kontakte bis hin zu Familienpatenschaften ergeben, sei dies für beide Seiten ein Gewinn.