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Stadtbücherei im Verbund E-Books in Delmenhorst auf dem Vormarsch

Von Merlin Hinkelmann | 08.08.2017, 10:37 Uhr

Das klassische Buch hat Konkurrenz bekommen – und die heißt: E-Book. Auch in Delmenhorst wird das digitale Buch immer beliebter, die Stadtbücherei verzeichnet schon seit Langem wachsende Nutzerzahlen.

Es war vor mehr als acht Jahren, im Mai 2009, da kam es in der Stadtbücherei zu einer kleinen Revolution. Die Bücherei wurde Teil des niedersächsischen Verbundes „NBib24“ und konnte damit neben den klassischen Print-Büchern erstmals auch E-Books verleihen. Die sogenannte Onleihe war zu dieser Zeit ein absolutes Novum. Ein Klick – und schon ist der neueste Krimi auf dem Rechner. Statt klassischer Öffnungszeiten gibt es die Möglichkeit, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, digitale Bücher auszuleihen. „Ganz am Anfang gehörten 19 kleinere Büchereien zum Verbund, heute sind es 118“, sagt Jürgen Grzibek, Mitarbeiter bei der Stadtbücherei Delmenhorst.

Immer mehr E-Book-Leser

Während Großstadt-Bibliotheken, etwa in Oldenburg oder in Osnabrück, eigene Onleihen betreiben, sind kleinere Büchereien wie in Delmenhorst über den Verbund organisiert – und schöpfen aus einem gemeinsamen Bücher-Bestand. „Rund zwei bis drei Jahre hat es gedauert“, so Grzibek, „bis die Nutzerzahlen merklich gestiegen sind.“ Und die Zahlen wachsen weiter. Mit der Zeit sei der Bekanntheitsgrad von E-Books immer größer geworden, erzählt Grzibek. Ein E-Book ausleihen kann nur, wer im Besitz eines Leseausweises der jeweiligen Bücherei ist. Maximal zehn Bücher gleichzeitig kann man ausleihen. Genau wie bei den klassischen Print-Büchern gibt es eine Ausleihfrist. „Die Frist für E-Books endet nach 21 Tagen, danach ist die heruntergeladene Datei nur noch Datenschrott.“ Wer will, kann das Buch aber auch früher zurückgeben. „Das ist besonders für fleißige Romanleser eine interessante Möglichkeit.“

Wegen Lizenzen nicht jedes E-Book im Bestand

In der Regel können stets zehn Online-Exemplare eines Buches gleichzeitig heruntergeladen werden – egal ob auf den PC, das Smartphone oder den E-Book-Reader. Neben den E-Books finden sich in der Onleihe auch Hörbücher, Filme und diverse Tageszeitungen und Zeitschriften. „Um die Lizenzen kümmert sich der Verbund“, weiß Grzibek. Lizenzen: Das ist das entscheidende Stichwort. Die Verlage bestimmen, ob sie ein E-Book den Büchereien zur Verfügung stellen oder nicht. „Das ist auch der Grund, weshalb wir einige Bücher nicht anbieten können.“ Im Laufe der Jahre hätten sich die Lizenz-Modelle immer weiter ausdifferenziert, „da ist viel Bewegung drin“. Grzibek wünscht sich bessere Lizenz-Bedingungen und ein neues Urheberrecht. „Dass wir alle E-Books, die es im Handel zu kaufen gibt, auch verleihen können, das ist meine Wunsch-Vorstellung.“

„Aussterben werden Bibliotheken nicht“

Auch Grzibek selbst trägt seinen Teil dazu bei, um das Angebot des Verbundes zu verbessern. Er ist für das Lektorat im Bereich Computer und Internet verantwortlich – in dieser Kategorie wählt er die Bücher aus, die in den Online-Bestand kommen sollen. „Ich schaue, was für eine Leserschaft wir haben und wo die Interessen liegen“, betont Grzibek. Doch wer ist eigentlich der typische E-Book-Leser? „Die meisten lesen sowohl die Print-Medien als auch die digitalen Bücher. Aber es gibt immer mehr, die sich extra wegen der Onleihe einen Büchereiausweis holen.“ Beide Varianten parallel zu nutzen, darin sieht Grzibek die Zukunft. Vor allem der Smartphone-Bereich werde weiter an Bedeutung gewinnen. Fest steht für Grzibek vor allem eines: „Aussterben werden Bibliotheken ganz sicher nicht.“