Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Stadtteile rücken zusammen „nebenan.de“ will Delmenhorster verbinden

Von Kai Hasse | 21.11.2017, 17:04 Uhr

Ein neues soziales Netzwerk, das Menschen im Internet auf Stadtteil-Ebene verbinden soll, hält Einzug in Geworben wird mit Flugblättern. Etwa 600 Delmenhorster aus fast allen Stadtteilen sind mittlerweile dabei.

In beinahe allen Delmenhorster Stadtteilen ist ein neues soziales Netzwerk in der digitalen Welt aufgetaucht. In den vergangenen Wochen und Monaten zuvor wurden in Stadtteilen Flugblätter ausgeteilt, auf denen die Menschen eingeladen wurden, sich anzumelden. Dahinter verbirgt sich das deutsche Netzwerk „nebenan.de“ – Sprössling einer jungen Berliner Startup-Firma. Das Projekt soll das Miteinander der Menschen benachbarter Stadtteile fördern. 600 Menschen aus Delmenhorst sind derzeit angemeldet, Tendenz steigend.

Nachbarschaftshilfe per Klick

So wie neulich Ina Brunk. Ina Brunk brauchte eine Stichsäge. So etwas hatte sie nicht zu Hause – wann braucht man schonmal so ein Ding. Brunks Problem: Jetzt, ausnahmsweise mal, brauchte sie eine. Sie fragte in der Nachbarschaft von „nebenan.de“ – und wurde fündig. Ina Brunk ist Mitgründerin der Firma „Good Hood GmbH“ aus Berlin, und das Beispiel verdeutliche, wofür „nebenan.de“ da ist. Nachbarschaftshilfe, Informationen über das, was passiert in der Umgebung, und auch die Suche nach Bekanntschaften. Wer sich einloggt, findet eine Internet-Plattform, die in ihrer Mechanik dem Netzwerk Facebook ähnelt. Die einzelnen Personen haben ein Profil, auf dem sie sich kurz vorstellen können und angeben, wobei sie beispielsweise helfen können (wie Haustiere hüten oder Sprachkenntnisse) oder was sie thematisch interessiert. In einer Art „Schwarzem Brett“ lädt beispielsweise jemand seinen dk-Leserbrief zur Diskussion hoch, oder Mitglieder suchen nach gemeinsamen Unternehmungen, begrüßen die Nachbarn oder bieten Nagellack zum Verschenken an.

Keine anonymen Micky-Mäuse

Ein Unterschied zu Facebook ist die streng lokale Ebene, auf der man sich darstellt, oder die Tatsache, dass nur natürliche Personen die Akteure sind. Mitgründerin Ina Brunk erklärt: „Man kann sich nicht als Micky-Maus oder Peter Pan anmelden, sondern als reale Person mit Namen. Das führt – auch wegen der kleinen, lokalen Ebene – zu einem ganz anderen Ökosystem. Die Menschen sind freundlicher und verbindlicher als beispielsweise bei Facebook.“ Man könne sich nicht, wie beim globalen amerikanischen Netzwerk, beispielsweise in Gruppen einschleichen oder sich hinter unsinnigen Namen verstecken. Dafür sorgt, dass die Flugblätter mit einem klar der Nachbarschaft zuzuordnenden Zugangscode versehen sind, den man nur hat, wenn man wirklich in der Nachbarschaft wohnt, oder weil man – wenn ohne Zugangscode – den Wohnsitz und Namen nachweisen muss.

Bald nicht nur Privatpersonen

In Zukunft wird sich die Idee noch ausweiten: Ina Brunk erklärt, dass in den kommenden Monaten auch lokale Institutionen – wie Diakonie oder Vereine – eine Möglichkeit zur Anmeldung bekommen sollen. „Die Menschen sollen einen Überblick bekommen, was bei ihnen in der unmittelbaren Nachbarschaft passiert und angeboten wird“, so Brunk. Das betrifft auch möglicherweise bald kommerzielle Angebote. Zahlen müssen Mitglieder nichts, das Start-Up wird derzeit finanziert zum Teil vom Medienkonzern oder privaten Investoren. Längerfristig soll die Firma, die nach zweieinhalb Jahren Bestehen mittlerweile 30 Mitarbeiter hat, aber auch eigenes Geld einbringen. Das würde mit Werbung geschehen. Denn auch lokale Unternehmen sollen in möglicherweise einem Jahr die Chance bekommen, sich darzustellen.

Derzeit sind von den 13 Stadtteilen. Es fehlen lediglich der ländliche Norden mit Hasbergen und der ländliche Osten um Brückenesch und Iprump.