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Städtische Galerie Delmenhorst Die Entdeckung einer Künstlerin als detektivische Arbeit

Von Marco Julius | 15.09.2016, 19:01 Uhr

Eine mit viel Akribie, Forscherdrang und Leidenschaft für die Kunst kuratierte Ausstellung ist ab Freitag, 16. September (Vernissage 20 Uhr), in der Städtischen Galerie Delmenhorst zu sehen.

Unter dem Titel „À la recherche: Hermine David“ gilt es eine Künstlerin zu entdecken, die von der Kunstwelt ein wenig vergessen worden war: die französische Malerin, Grafikerin und Buchillustratorin Hermine David (1886-1970). Zudem sind viele Werke aus dem künstlerischen Umfeld der umtriebigen Französin zu sehen, unter anderem von Pierre Bonnrad, Sigrid Hjertén, Rudolf Levy, Peter Krohg, Emil Orlik, Jules Pascin und Fritz Stuckenberg.

Detektivische Arbeit im Vorfeld

Rund drei Jahre zum Teil detektivische Arbeit haben die Galerie-Leiterin Dr. Annett Reckert und ihre wissenschaftliche Mitarbeiterin Aneta Palenga in die Ausstellung gesteckt, deren Ausgangsidee ein Bild ist, das Fritz Stuckenberg 1909 von Hermine David angefertigt hatte. Die Anbindung an Delmenhorst sei wichtig bei der Ausstellung, deren Recherche den Untertitel „Von Delmenhorst in die Welt“ tragen könnte“, sagt Reckert: „Wir wollen das Geheimnis der Frau lüften.“ Die Ausstellung zeige jetzt den aktuellen Forschungsstand zu Hermine David, die sich stets in Avantegarde-Kreisen aufgehalten habe. Die Zusammenstellung habe durchaus Lücken, vieles aus dem Werk Davids lasse sich nur schwer beschaffen oder sei heute sogar unauffindbar. In der Galerie sind rund 200 Werke zusammengetragen, die zum einen die Vielseitigkeit der Künstlerin zeigen, zum anderen auch einen tiefen Einblick in ihr Leben ermöglichen. Ihre Künstlerfreunde lernte Hermine David vor allem im legendären Café du Dôme in Paris kennen. Die schwedische Malerin Hjertén und Fritz Stuckenberg porträtierten die Frau mit dem markanten Aussehen. Auch ihr zeitweiliger Ehemann Jules Pascin, bekannt als Prince de Montparnasse, zeichnete und malte sie unzählige Male. Dennoch gilt es noch immer, viele Rätsel aus Davids Leben und Schaffen zu enträtseln. Leihgaben aus Stockholm, Oslo, Mainz, Köln und Bremen sollen einen Querschnitt des künstlerischen Lebenswerkes einer Frau liefern, deren Leben und Lieben, deren Reisen durch die Welt durchaus das Zeug zu einer Seifenoper hätten, wie Reckert und ihre Mitkuratorin Aneta Palenga betonen.

Die Ausstellung bietet die wunderbare Gelegenheit, eine Künstlerin und ihr Leben zu entdecken und zugleich unterschiedliche Herangehensweisen von Künstlern zu vergleichen. Man darf davon ausgehen, dass das Ergebnis der Recherche weit über die Grenzen der Stadt hinweg auf Interesse stoßen wird.

Mit Bezug zur Gegenwart

Doch eine Ausstellung in der Städtischen Galerie ist stets mehr als ein Blick zurück, Reckert und ihr Team versuchen stets, den Bogen in die Gegenwart zu schlagen. Diesen Part übernimmt in der Ausstellung vor allem die Bremer Illustratorin Anke Bär, die durch eigene Zeichnungen Geschichte und Schaffen der Hermine David ein Stück weiterdreht. Ab dem 23. Oktober eröffnet sie in der Remise den „Salon de Bär“, in dem eine Graphic Novel entstehen soll, die sich mit Hermine Davids Biografie auseinandersetzt.

Tatkräftige Unterstützung

„À la recherche: Hermine David“ und der „Salon de Bär“ werden laut Reckert großzügig unterstützt von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, von der Landessparkasse zu Oldenburg, von dem Mariann Steegmann Institut an der Universität Bremen und dem Freundeskreis Haus Coburg.