Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Stammkunde kritisiert GraftTherme Streit um Saunapreise in Delmenhorst

Von Jan Eric Fiedler | 22.06.2015, 22:06 Uhr

Wer nach August eine jetzt gekaufte Mehrfachkarte für die Sauna einlösen will, soll nachzahlen. Es gibt verschiedene Rechtsauslegungen zu diesem Problem.

Zum 1. Juli steigt die Mehrwertsteuer für Saunabetriebe von sieben auf 19 Prozent. Die GraftTherme hebt deshalb die Preise an . Mehrfachkarten, die vor diesem Stichtag gelöst werden, sollen noch bis zum 31. August akzeptiert werden. Danach muss nachgelöst werden. Das ist nicht rechtens, sagt Stammgast Wolfgang Berger. Er hatte vor, für die kommenden zwei Jahre im Vorfeld Karten zu kaufen – und so knapp 200 Euro zu sparen.

Deutscher Saunabund gibt Gast recht

Recht gibt Berger eine Mitteilung des Deutschen Saunabundes. „Maßgeblich ist der vereinbarte Preis inklusive Umsatzsteuer zum Zeitpunkt des Kaufs der Mehrfachkarte vor dem Stichtag 1. Juli 2015“, wird darin der Steuerberater Prof. Rolf-Rüdiger Radeisen aus Berlin zitiert. „Eine Nacherhebung beim Kunden in Höhe der Differenz zur angehobenen Umsatzsteuer auf dann 19 Prozent wird bei Saunabetrieben nicht möglich sein.“ Nach dieser Auslegung müssten jetzt gelöste Eintrittskarten für die GraftTherme die gesetzlich vorgeschriebene Zeit von drei Jahren gültig sein – ohne Nachzahlung.

 Weiterlesen: GraftTherme weitet Sporttarif aus 

GraftTherme widerspricht

Dem widerspricht Horst Fiedler, Geschäftsführer der GraftTherme: „Nicht der Zeitpunkt des Kaufs, sondern der Zeitpunkt, an dem die Leistung erbracht wird, ist entscheidend.“ Also müsste der zum Zeitpunkt des Saunabesuchs gültige Preis gezahlt werden. Somit wäre nach den beiden von der GraftTherme eingeräumten Kulanzmonaten eine Nachzahlung fällig. Diese Regelung sei von den Steuerberatern der Graft-Therme und auch mit der Oberfinanzdirektion Hannover geprüft worden.

Verschiedene Sichtweisen im Steuerrecht

Dass auf eine Nachzahlung bestanden werden kann, zweifelt Diplom-Kaufmann Kai Seiter an. „Das ist wie so häufig im Steuerrecht: Es gibt verschiedene Sichtweisen“, sagt er auf dk-Anfrage. Er ist der Meinung, dass man einen Preis im Nachhinein nicht ändern kann. „Die Umsatzsteuer entsteht in dem Moment, in dem der Kunde bezahlt“, erklärt er. Im Gegensatz zu Geschäftsverträgen seien für Kunden Brutto-Preise gültig. Die Steuern sind darin enthalten. Es sei problematisch, diese bei einer Steueränderung nach Erwerb der Karte einzufordern. Er vergleicht den Kauf einer Mehrfachkarte mit einem Monatsbeitrag in einem Fitnessstudio. Auch dort sei es nicht möglich, den Preis nachträglich anzugleichen.

Gast hofft auf Entgegenkommen

Wolfgang Berger hat nun von seinem Plan, gleich 100 Eintrittskarten zu kaufen, Abstand genommen und will abwarten. Er hofft, dass sich die GraftTherme auf ihre Stammkunden zubewegt. Er habe mit mehreren gesprochen: „Wir überlegen uns, nach Ganderkesee ins SaunaHuus zu gehen“, berichtet er.

Kompromissvorschlag

Eine Möglichkeit zum Kompromiss sieht er darin, dass die GraftTherme künftig auch 20er-Karten statt nur 10er-Karten anbietet – zu einem Preis, der mit dem SaunaHuus konkurrieren kann. „Das sind Summen, die nur Stammkunden zahlen“, meint Berger.