Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Standing Ovations vor der Pause Fulminante Premiere für das Städtische Orchester Delmenhorst

Von Eyke Swarovsky | 28.03.2017, 16:53 Uhr

Unter tosendem Applaus hat das Städtische Orchester Delmenhorst am Montagabend seine Premiere gefeiert. Delmenhorst gewinnt damit ein weiteres kulturelles Aushängeschild.

Delmenhorst ist seit Montag um ein kulturelles Glanzstück reicher. Das Städtische Orchester Delmenhorst (SOD) feierte im ausverkauften Kleinen Haus seine Geburtsstunde. Schirmherrin Ulrike Thümmel sagte in ihrer Ansprache: „Wir müssen dieses Orchester adoptieren, zu einem Teil unserer Stadt machen.“ Und genau das passierte bereits nach wenigen Minuten.

Mit Perfektion auf den Punkt

Den Auftakt macht die Ouvertüre zu Otto Nicolais Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“. Hauchzart lässt Dirigent Adrian Rusnak die Streicher einsetzen. Selbst im Piano zu Beginn spielt Rusnak schon mit den Lautstärken. Vor dem inneren Auge der Zuhörer geht der Mond auf. Der Dirigent und sein Orchester beweisen, wie viel Arbeit sie in den Proben dafür aufgewendet haben, die Dynamik der Ouvertüre herauszuarbeiten. Hell und Dunkel wechseln sich ab, das Pizzicato in den Celli erinnert an Käfer im Wald. Tempo- und Taktwechsel kommen mit Perfektion auf den Punkt. Den Dreivierteltakt stellt Rusnak in den Vordergrund, anspruchsvolle Läufe in den Violinen lassen die Augen im Saal größer werden. Das Publikum ist nach wenigen Minuten verzaubert.

Virtuoser Solist am Flügel

Für das folgende Solokonzert mit Orchester betritt der Solist Artem Yasynskyy die Bühne. Auf dem Programm steht Edvard Griegs einziges Klavierkonzert in A-Moll. Mit einem gewaltigen Klavierklang beginnt der gebürtige Ukrainer. Yasynskyy und das Orchester spielen sich den Ball hin und her. Virtuos zelebriert der Solist die schnellen Läufe quer über die Klaviatur. Orchester und Solist versuchen fast, sich zu überbieten, ohne dabei ihre Einheit zu verlieren. Es ist beeindruckend, was die mehr als 50 Musiker auf der Bühne bieten. Klänge, die Bilder von weiten Landschaften und tiefen Fjorden mit zerklüfteten Felsen hervorrufen, schweben durch den Saal. Beinahe wie ein Liebespaar gehen Klavier und Cello gemeinsam ein Stück durch das Konzert, immer gepaart mit einem Hauch Melancholie. Querflöten erinnern an Vogelgesang, bevor sich das Klavierkonzert schließlich mit breitesten Bläsern und einem monumentalen Gesamtklang dem Ende nähert. Beim Applaus steht das Publikum bereits im Saal und lässt Yasynskyy erst nach einer flinken Zugabe am Flügel wieder gehen.

Mozarts letzte Sinfonie nach der Pause

Nach der Pause folgt die Vollendung in neuer Sitzordnung. Gespielt wird Mozarts letzte Sinfonie, auch bekannt als Jupiter-Sinfonie. Den Beinamen trägt sie, weil ihr eine göttliche Vollkommenheit nachgesagt wird. Musikschulleiter Michael Müller führt das Publikum vorher kurz in das Stück ein, erklärt, warum keine Klarinetten mehr auf der Bühne sind – und präsentiert die drei Motive, die im vierten Satz als Fugato übereinandergelegt zu hören sein werden. Dabei erfahren auch die ungeübten Zuhörer, „warum Mozart so ein Genie war“. Rusnak zeigt schließlich noch einmal, welch großen Wert er auf die Dynamik der Werke legt. Mit spitzer Leichtigkeit erklingen die Violinen, die von den Holzbläsern aufgegriffen werden. Der Dirigent hat sein mit großer Leidenschaft spielendes Orchester im Griff. Das „Allegro vivace“ endet mit einem furiosen Finale.

Nach einem sehr langsamen zweiten Satz, dem „Andante cantabile“, bei dem man glaubt, Rusnak möchte gar nicht, dass er zu Ende geht, und dem Tanz-Satz „Menuetto. Allegretto“, in dem die Sinfonie wieder deutlich an Fahrt aufnimmt, gipfelt der Abend schließlich in der Coda des vierten Satzes, in der alle Motive der Sinfonie zeitgleich erklingen. Man könnte glauben, hier säße ein seit vielen Jahren aufeinander eingespieltes Orchester auf der Bühne.

Das Publikum applaudiert und trampelt minutenlang, der Dirigent ist überwältigt – und so endet diese Geburtsstunde mit Brahms‘ „Ungarischem Tanz Nr. 6“ als Zugabe und sehr vielen sehr glücklichen Gesichtern.