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Statt Abriss Wollepark: Verwalter bringt Sanierung ins Spiel

Von epd | 20.09.2017, 16:40 Uhr

In den Streit um die Problemwohnblöcke 11 und 12 im Delmenhorster Wollepark kommt Bewegung. Die Stadt will die 80 Wohnungen zum 1. November für unbewohnbar erklären, bestätigte der neue Verwalter der Eigentümergemeinschaft, der Bremer Immobilienmakler Matthias Volkmer am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die Stadt habe alle Eigentümer und Bewohner in einem Schreiben über die Pläne informiert und für Stellungnahmen eine Frist bis zu diesem Freitag gesetzt. Volkmer begrüßte den Schritt. Doch wolle er die Blöcke entgegen den städtischen Plänen nicht abreißen, sondern in zwei bis drei Jahren sanieren. Am 29. September sei ein Gespräch mit der Stadtverwaltung geplant.

Eine Sprecherin der Stadt bestätigte auf Nachfrage lediglich das Schreiben. Über den Inhalt schwieg sie auch gegenüber unserer Zeitung mit dem Verweis, dass es sich um ein laufendes Verfahren handle.

Noch 160 Menschen in Wohnungen gemeldet

Laut dem Delmenhorster Diakoniechef Franz-Josef Franke kündigt die Stadt in dem Schreiben auch an, die ständige Brandwache vor den Häusern aus Kostengründen abzuziehen. Offiziell sind noch rund 160 der ursprünglich 350 Menschen in den Wohnungen gemeldet. Franke vermutet jedoch, dass dort höchstens noch zehn bis zwölf Familien unter unwürdigen Zuständen lebten. „Die meisten Mieter, darunter auch die kinderreichsten Familien, haben eine andere Bleibe gefunden oder sind in die Notunterkünfte der Stadt gezogen.“

 Video: Wie geht es weiter im Wollepark? 

Seit Frühjahr ohne Gas und Wasser

Seit dem Frühjahr leben die Menschen in den beiden Wohnblöcken ohne Gas und Wasser. Die Vermieter hatten rund 130.000 Euro an offenen Rechnungen auflaufen lassen, obwohl ihnen die Mieter die Nebenkosten ordnungsgemäß überwiesen hatten. Auf Nachfrage bestätigten die Stadtwerke, dass etwa 20.000 Euro bereits überwiesen wurden, jedoch noch etwa 110.000 Euro ausstünden. Volkmer erklärte sich grundsätzlich bereit, für die Zahlung der Schulden zu sorgen. Jedoch habe er trotz mehrfacher Nachfragen von den Stadtwerken keine Aufstellung über offene Rechnungen und bereits geleisteten Zahlungen erhalten.

Verkauf an die Stadt wird abgelehnt

Alle 80 Wohnungen sollen Volkmer zufolge komplett saniert werden. Er erstelle derzeit einen Kosten- und Finanzierungsplan. Damit die Eigentümer ihren Anteil stemmen könnten, sie es vorstellbar, die Blöcke zwei Jahre leer stehen zu lassen. Den Verkauf der einzelnen Objekte an die Stadt zum Verkehrswert lehnte er auf Nachfrage kategorisch ab. Es selbst sei Eigentümer einer sanierten 72 Quadratmeter-Wohnung im Wollepark. Dafür habe die Stadt den Durchschnittswert für alle Wohnungen, nämlich 5.700 Euro geboten. Das sei nicht akzeptabel. Sollte die Stadt die Wohnungen einzeln neu bewerten, könne er sich jedoch Verhandlungen vorstellen.

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