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Steinerner Zeuge des Jahrhunderts Turm der Christuskirche in Delmenhorst wird saniert

Von Marco Julius | 06.10.2017, 09:35 Uhr

Der Zahn der Zeit nagt an dem 1911 erbauten Turm der Christuskirche in Die kleine Gemeinde macht sich mit großem Aufwand an die Sanierung.

Wenn er doch nur selbst erzählen könnte, dieser 29 Meter hohe Turm. So viel hat er erlebt und gesehen, seit er im Jahr 1911 erbaut wurde. Über 100 Jahre alt ist der steinerne Zeuge. Aber er schweigt, wie es steinerne Zeugen eben tun. Aber er hat dann doch deutlich gemacht, dass eine Sanierung vonnöten ist. Der berüchtigte Zahn der Zeit nagt eben auch an massiven Türmen. „Wir mussten etwas tun, um die Sicherheit von Besuchern der Christuskirche und von Passanten nicht zu gefährden“, sagt Wolbert Wolring von der Evangelisch-methodistischen Kirche an der Bremer Straße 26. Und um den Turm, der von einem 3,50 Meter hohen Kreuz gekrönt wird, zu erhalten.

20.000 Euro müssen investiert werden

Die Träger der Fensterstürze sind es vor allem, die Sorgen bereiten. Die gammeln einfach so weg. Nun ist der Turm eingerüstet. Die Arbeiten laufen. Rund 20.000 Euro wendet die kleine Gemeinde auf. „Ein Teil der Arbeiten erbringen wir in Eigenleistung, so können wir die Kosten drücken“, sagt Hermann Tönjes, dessen Bruder Karl die Sanierungsarbeiten plant und anleitet.

Die Gemeinde ist dabei auf Spenden angewiesen. „Aus der Gemeinde ist bereits einiges zusammengetragen worden, aber weitere Spender sind immer willkommen“, betont Wolring. „Die Schäden am Turm sind größer als zunächst angenommen“, sagt er. „Vieles ist erst sichtbar geworden, als das Gerüst stand.“ Rund 100 Mitglieder hat die Bezirksgemeinde Delmenhorst-Neerstedt noch, sie schrumpft, so wie viele Kirchengemeinden im Land. Dennoch ist die Christuskirche ein Haus voller Leben.

Turm und Kirche, vor dem Ersten Weltkrieg in „Rekordzeit hochgekeult“, wie Tönjes sagt, haben im Lauf der Jahrzehnte einiges einstecken müssen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer beschädigt, erst spät im Jahr 1946, berichtet Wolring, sei wieder so etwas wie Alltag eingekehrt. 1972, als heftige Stürme über die Stadt zogen, ist der Turm erneut stark beschädigt worden. Eine große Spendenbereitschaft über die Gemeinde hinaus habe damals geholfen, dem Turm ein Kupferdach zu verpassen. Das Kreuz hat Hermann Tönjes damals selbst geschmiedet. 1976/77 ist die Christuskirche erweitert worden. Gemeinschaftsräume, neue Toiletten, eine Küche – es ist einiges passiert. 2012 konnte dann mit Unterstützung der Aktion Mensch ein Lift eingebaut werden, über 40000 Euro sind investiert worden. Das komplette Haus ist seitdem barrierefrei zugänglich. „Keine Selbstverständlichkeit für Kirchen“, sagt Hermann Tönjes.

Rund vier Wochen Arbeit

Nun muss also erneut Geld in die Hand genommen werden. Rund vier Wochen sollen die Arbeiten am Turm dauern.

Die Anfänge der Gemeindearbeit liegen übrigens noch länger zurück als der Turmbau – bis in das Jahr 1859. Zuerst in einem kleinen Gemeindehaus an der Oldenburger Straße (1861 bis 1880) beheimatet, ist 1880 eine Kapelle mit Wohnhaus am jetzigen Standort gebaut worden, ehe im Jahr 1911 der Bau der Kirche folgte. „Musik, Gemeinschaft, Glaube“, die Christuskirche freut sich unter diesem Motto stets über interessierte Menschen. Der Turm schaut dabei stets von oben zu.