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Stephan Weil in Syrisch-Orthodoxer Gemeinde Stephan Weil in Delmenhorst: Keine Zeit zum Verweilen

Von Frederik Grabbe | 17.05.2016, 20:59 Uhr

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat in Delmenhorst den Erzbischof der Syrisch-Othodoxen Kirchen in Deutschland besucht. Viel Zeit für Inhaltliches beim Besuch des Landesvaters war nicht.

Vor seinem Abstecher ins Delmenhorster Rathaus hat Landesvater Stephan Weil (SPD) der Syrisch-Orthodoxen Kirche an der Elsflether Straße einen Besuch abgestattet. Viel Zeit, um über Themen zu sprechen, die Erzbischof Dr. Julius Hanna Aydin auf dem Herzen lagen, war aber nicht. Zum einen wegen eines Staus vor Bremen, der die Anfahrt des Ministerpräsidenten aus Hannover verzögerte, zum anderen wegen des engen Zeitplans.

„Stau? Kein Problem. Wir sind Orientalen“

Hanna Aydin, dem die Syrisch-Orthodoxen Kirchen in Deutschland unterstehen, zeigte sich nachsichtig: „Sie stecken im Stau?“, telefonierte er vor dem Kirchen-Besuch des Ministerpräsidenten mit Weils Stab. „Kein Problem. Wir sind Orientalen.“ Als der Ministerpräsident dann eintraf, wurde er durch die Kirche und die Räume des anliegenden Gemeindezentrums geführt. So zeigte und erläuterte Hanna Aydin ihm den Bischofsstab mit doppeltem Schlangenkopf, das Taufbecken der aramäischen Gemeinde, aus dem kein Wasser fließen darf, dass am herkömmlichen Wassernetz angeschlossen ist, oder skizzierte grundsätzliche Unterschiede zum katholischen oder evangelischen Glauben. Weil wurde auch in einen Unterrichtsraum für Mädchen im Gemeindezentrum geführt. „Wir möchten nicht, dass unsere Jugendlichen auf der Straße landen. Darum unterweisen wir sie hier in unseren Räumen in unserem Glauben“, erläuterte Hanna Aydin. Jugendliche erhielten stets Süßigkeiten, wenn sie den Unterricht besuchten. Schließlich sollten sie sich wie zu Hause fühlten.

Wenig Zeit für Inhaltliches: Weil will wiederkommen

Ein Mittel, dass beim Ministerpräsidenten erst einmal nicht fruchtete. Eine Süßigkeit, sogenanntes Manna, wurde zwar Stephan Weil angeboten, der diese dankend annahm. „Da kann ich nicht Nein sagen“, so Weil. Dann ging es auch schon weiter. Die Zeit drückte, schließlich hatte die Stadt im Rathaus eigens einen Empfang vorbereitet. Dass das Gespräch mit dem Oberen der Kirche Hanna Aydin und dem Vorsitzenden der Gemeinde Cello Celik selbst zu kurz kam, erkannte der Ministerpräsident selbst. „Eindrucksvoll“, nannte er die Ausführungen des Erzbischofs, „ich will mir die Zeit für Sie nehmen“. Am 6. September soll das Kabinett in Delmenhorst tagen, „da werde ich wieder kommen“, versprach er.

Gemeinde will Hilfe bei der Flüchtlingsintegration anbieten

Dann wird hoffentlich mehr Zeit sein für Inhaltliches. Hanna Aydin und Cello hatten der Presse schon vorweg verraten, worüber er mit Weil eigentlich sprechen wollte. „Viele Flüchtlinge unseres Glaubens sind mit hiesigen Gemeindemitgliedern verwandt. In der jüngsten Zeit kamen viele aus Syrien und dem Irak nach Deutschland“, sagte Hanna Aydin. Das Problem: Diese seien im ganzen Land verteilt, die größten syrisch-orthodoxen Gemeinden leben aber zum Beispiel in den Städten Paderborn, Gütersloh oder eben Delmenhorst. „Wir sprechen Arabisch, Türkisch und Kurdisch. Wir würden uns gerne mit Sprachkursen für ihre Integration einsetzen oder sie über die kulturellen Gepflogenheiten in Deutschland aufklären.“ Dazu müssten syrisch-orthodoxe Flüchtlinge aber in Städten untergebracht werden, in denen entsprechende Gemeinden existierten. „Ich denke, wir wären eine große Hilfe in der Asylproblematik“, so Hanna Aydin. (Weiterlesen: dk-Themenportal Flüchtlinge in Delmenhorst)

25 Flüchtlingsfamilien hängen der Gemeinde an

Nach Angaben der Kirchengemeinde gibt es 100.000 Anhänger syrisch-orthodoxen Glaubens in Deutschland. Rund 470 Familien gehören zur Delmenhorster Gemeinde, 25 Flüchtlingsfamilien gehören mittlerweile zur Kirchengemeinden an der Elsflether Straße.