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Stopp nach zwei Monate Josef-Hospital hat Leichenschau ausgesetzt

Von Jan Eric Fiedler | 26.02.2016, 19:58 Uhr

Die Delmenhorster Krankenhäuser haben im vergangenen Jahr als erste Häuser bundesweit eine qualifizierte Leichenschau eingeführt – und bereits nach zwei Monaten wieder ausgesetzt.

Kommuniziert hatten die Krankenhäuser die Einstellung im Oktober nicht. Hintergrund ist laut Pressesprecherin Mandy Lange eine Formulierung in den internen Verfahrensanweisungen, die im Konflikt mit dem niedersächsischen Bestattungsgesetz steht. Die qualifizierte Leichenschau war als Folge der Mordserie des ehemaligen Krankenpflegers Niels H. am Klinikum Delmenhorst eingerichtet worden. Durch die Betrachtung der Verstorbenen durch einen externen Rechtsmediziner soll vermieden werden, dass ein unnatürlicher Tod in Folge krimineller Handlungen unentdeckt bleibt.

Uniklinik in Hannover ist mit eingebunden

106 qualifizierte Leichenschauen hat es an den beiden Standorten des Josef-Hospitals Delmenhorst zwischen der Einführung im August und der Einstellung im Oktober 2015 gegeben. Laut Pressesprecherin Mandy Lange ruht das Projekt derzeit. „Mit dem Rechtsmediziner Prof. Dr. Michael Birkholz und dem Institut für Rechtsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover sind wir zu diesem Thema nach wie vor im Gespräch“, erklärt Lange. Da es für die Leichenschau bisher Referenzkrankenhäuser gebe, sei das Josef-Hospital darauf angewiesen, die Abläufe und daraus resultierenden Prozesse unter Beachtung rechtlicher Bestimmungen selbst zu definieren. Die Rechtslage sei von Bundesland zu Bundesland verschieden: „Wären wir ein Krankenhaus in Bremen, hätten wir das machen dürften“, sagt Lange.

„Medizinische Versorgung hat Vorrang“

Im Zuge der Zusammenführung der beiden Krankenhäuser soll auch an der Wiedereinrichtung der qualifizierten Leichenschau – unter Einbezug aller Bereiche des Josef-Hospitals – gearbeitet werden. „Die medizinische Versorgung der Patienten hat hierbei Vorrang“, stellt Lange aber klar. Bei der Leichenschau handele es sich um eine freiwillige Maßnahme der Krankenhäuser zur Erhöhung der Patientensicherheit. Durch das Aussetzen entstehe niemandem ein Nachteil.

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