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Straffälligen-Hilfe ausgeweitet Delmenhorster Beratungsprogramm macht Schule

Von Kai Hasse | 05.09.2017, 19:30 Uhr

Ein aus Delmenhorst stammendes Beratungsprojekt wird landesweit immer mehr ausgedehnt. Das Programm „Geldverwaltung statt Ersatzfreiheitsstrafe“ hilft sozial schwachen Straffälligen, verhängte Geldstrafen aufzubringen. Nun hat Landesjustizministerin Antje Niewisch-Lennartz der Straffälligenbetreuung von Diakonie, Caritas und Paritätischem in Delmenhorst besucht und zugleich eine weitere Beratung im Bereich des Landgerichts Verden verkündet.

Ein Delmenhorster Projekt fruchtet: Das Programm „Geldverwaltung statt Ersatzfreiheitsstrafe“ weitet sich landesweit aus. Initiiert hat es der Delmenhorster Axel Zuber vor mehreren Jahren in der Straffälligenhilfe Delmenhorst. Nun war die Landesjustizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) zu Gast bei der Beratungsstelle, die Straffälligen beim Zahlen einer Geldstrafe berät. Das Projekt wird jetzt auch nach Verden ausgeweitet.

Ratenzahlung statt Gefängnis

Menschen, die nach einer Straftat Geld an die Staatsanwaltschaft zahlen sollen, wissen oft nicht, wie sie das schaffen sollen. Die Mitarbeiter des Projektes „Geldverwaltung statt Ersatzfreiheitsstrafe“ beraten sie dabei. „Zielgruppe sind Menschen, die oft ein sehr geringes Einkommen haben, oder Menschen, die die soziale Kompetenz nicht haben, sich mit der Staatsanwaltschaft abzusprechen“, sagt Zuber. Mit ihnen werden dann beispielsweise Ratenzahlungen organisiert. „Es ist in vielen Fällen ein großer Autonomiegewinn, den Straffällige durch dieses Projekt haben“, sagte Niewisch-Lennartz, denn sie würden lernen, ihre Ausgaben und ihren Alltag besser zu gestalten. Die Alternative – kurze Gefängnisaufenthalte – „schadet mehr, als dass sie hilft“, so die Ministerin, denn dort lerne man nicht, seinen Alltag sinnvoll umzuordnen. Zudem bringe das Projekt Geld in die Kassen: die Beträge, die der Staat an Strafgeldern tatsächlich bekommt, und das Geld, dass er einspart, weil er den Gefängnisaufenthalt nicht zahlen muss.

Zuber steigt in Verden ein

Die Erfolgsquoten sind hoch: 2016 wurden 1923 zu Geldstrafen Verurteilte betreut. Ein Viertel von ihnen konnten durch das Projekt ihre Strafe zahlen, bei fast allen übrigen gäbe es bereits teilweise Erfolge. Das sprach sich rum bis zu Straffälligen im Bereich des Landgerichtes Verden. Weil es dort diese Betreuung noch nicht gab, wird Zuber nun auch mit 66 Jahren noch einsteigen. Für eineinhalb Jahre soll er dort das Projekt anschieben und an zwei Tagen in der Woche Beratungen anbieten. Er hat landesweit die längste Erfahrung darin. „Viele Menschen kommen so besser durchs Leben. Das ist eine sehr befriedigende Erfahrung, die man da macht“, sagt er.