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Strategische Wohnbauentwicklung Stadt Delmenhorst sieht viel Potenzial für Wohnungsbau

Von Thomas Breuer | 18.05.2017, 22:51 Uhr

Nicht weniger als „Wohnungsbau für alle“ schreibt sich die Stadtverwaltung für ihre künftige Wohnungsmarkt-Strategie auf die Fahne.

Bei der Weiterentwicklung vorhandener Wohnungsbestände und der Schaffung neuer Wohnangebote seien gleichermaßen demografische, städtebauliche, energetische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte zu berücksichtigen, heißt es in einer umfassenden Ausarbeitung, die am Donnerstag in der Markthalle der Politik vorgestellt wurde. Stadtbaurätin Bianca Urban sagte: „Es geht um die Zukunft von Delmenhorst.“

Platz für 2400 neue Wohneinheiten

Über das gesamte Stadtgebiet verteilt sieht die Verwaltung zahlreiche geeignete Flächen, um den erwarteten Bedarf zu decken. Sie listet gleich 18 Standorte auf, deren Entwicklung nach ihrer Einschätzung eine sehr hohe bis hohe Priorität zukommt. So könnten in den nächsten zehn bis 15 Jahren die notwendigen rund 2400 Wohneinheiten geschaffen werden, je zur Hälfte in Mehrfamilienhäusern sowie als Ein- und Zweifamilienhäuser.

Nicht alle diskutierten Flächen in städtischem Besitz

Große Herausforderung dabei: Acht der genannten Flächen sind nicht im städtischen Besitz – etwa die Optionen Bremer Postweg/Delmare-Gelände, Piekmoor oder auch der Bereich östlich der Langenwischstraße.

Wesentlich mehr Handhabe besteht bei den stadteigenen Flächen, allen voran auf dem 2016 für den Wohnungsbau ersteigerten Delmod-Areal. Es findet sich auf der Liste der Verwaltung ganz obenan, gefolgt von den ebenfalls stadteigenen Bereichen Seestraße/Am Kleinen Meer, Försterhof, westlich Wildeshauser Straße (Klinikum-Areal) und westlich Am Wollepark, wo jetzt der Abriss von fünf Blöcken läuft. Bei den insgesamt 18 ausgemachten Möglichkeiten für eine strategische Wohnbauentwicklung hebt die Verwaltung hervor, „dass die ausgewählten Standorte im gesamten Stadtgebiet verteilt sind und in die unterschiedlichen Potenziale der Brachflächennutzung, des Stadtumbaus, der Nachverdichtung und der Neuausweisung von Wohnbauflächen als Arrondierung vorhandener Wohnsiedlungen einzuordnen sind“.

Beifall und auch kritische Stimmen

Für die Ausarbeitungen zeichnet maßgeblich der Leiter des Fachdienstes Stadtentwicklung und Statistik, Christoph Jankowsky, verantwortlich, der sie auch vortrug. Das Strategiepapier bekam seitens der Ratsvertreter viel Zuspruch, aber auch kritische Stimmen erhoben sich. Edith Belz (Linke) vermisste die von Jankowsky nach eigenen Worten angestrebte gemischte Sozialstruktur und befürchtete wie auch Marianne Huismann (Grüne), dass es vorrangig darum gehen solle, finanzstarke Menschen als Einwohner zu gewinnen.

Harsche Kritik vom Naturschutzbund

Für den Naturschutzbund (Nabu) bezog Dr. Yvonne Ingenbleek deutlich und ausführlich Position. Ihre Kritik: Das Baulückenkataster werde zögerlich vermarktet, Brachflächen schlummerten in der Schublade, Naturschutzaspekte würden nicht angesprochen und Delmenhorst sei nur eine „kurzzeitig leicht wachsende Stadt“. Jankowsky zeigte sich genervt: „Die Art des ständigen Vorwurfs stört mich.“ Auch Stadtbaurätin Bianca Urban kritisierte das Vorgehen des Nabu als fragwürdig.

Eine konträre Position zum Nabu und zu allen Politikern, die Außenbereiche nicht weiter versiegeln wollen, nahm Frauke Wöhler (CDU) ein. Sie kritisierte, dass in Adelheide Grundstückeigentümer gerne Bauland schaffen würden, dies aber nicht dürften.

Günstiger Wohnraum als Daseinsvorsorge

Aus Sicht der Verwaltung geht es bei der Wohnungsmarkt-Strategie mitnichten darum, nur gut situierte Häuslebauer in Delmenhorst zu halten oder hierher zu locken. „Die Versorgung mit günstigem Wohnraum ist ein wichtiger Aspekt der Daseinsvorsorge“, heißt es etwa im Papier. Was aber auch in der Vergangenheit gut gemeint gewesen sei, habe nicht immer zu den gewünschten Effekten geführt. So verweist die Verwaltung – offenbar auch mit dem Wollepark im Hinterkopf – darauf, dass in vergangenen Jahrzehnten „eine zu umfangreiche Schaffung von günstigem Wohnraum nachfolgend zu Leerständen führte“. Mit der Folge, dass die Eigentümer zusätzliche einkommensschwache Menschen aus der Region in die Stadt gelockt hätten.

„Sozialer Wohnungsbau und günstige Mieten sind nicht das Gleiche“

Franz-Josef Franke von der Diakonie war es wichtig herauszustellen, dass sozialer Wohnungsbau mit festgelegten Mietpreisobergrenzen für eine gesetzlich definierte Klientel und günstige Mieten nicht das Gleiche seien. „Günstige Mieten sind auch interessant für alle, die sich teurere Mieten leisten könnten“, sagte er.

„Jung kauft Alt“ soll für Altbauten erwärmen

Um auch für Häuser ab einem Alter von 35 Jahren Käufer zu erwärmen, soll die Politik diskutieren, ob sie sich für ein Förderprogramm „Jung kauft Alt“ nach dem Beispiel der Stadt Emden erwärmen kann. Der Entwurf einer Richtlinie sieht vor, dass beim Kauf eines Altbaus über sechs Jahre eine Förderung von 600 Euro jährlich plus 300 Euro für jedes Kind unter 18 Jahren – insgesamt maximal 1500 Euro pro Familie – gezahlt wird. Der von der Politik, vor allem von Andreas Neugebauer (Gruppe SPD/Piraten), initiierte Vorstoß könne in der jetzigen Niedrigzinsphase und angesichts des knappen Angebots an Kaufobjekten aber auch zu bloßen Mitnahmeeffekten führen, gab Jankowsky zu bedenken.

Über weiteres Vorgehen entscheidet jetzt die Politik

In den kommenden Monaten liegt es laut Jankowsky nun bei der Politik, die Weichen für die Wohnungsmarkt-Strategie vor Ort zu stellen und gegebenenfalls Mittel im Haushalt bereitzustellen. Dass eine kontinuierlich aktualisierte Analyse der Lage am Wohnungsmarkt auch entsprechende personelle Ressourcen im Stellenplan der Verwaltung bedeute, unterstrich er ebenfalls.