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Streit um Glaubwürdigkeit Prozess um mögliche sexuelle Nötigung gegen Wildeshauser

Von Alexander Schnackenburg | 13.10.2015, 19:45 Uhr

Weiterer Verhandlungstermin statt Urteil: Das Landgericht Oldenburg hat im Revisions-Verfahren gegen einen 44-jährigen Angeklagten aus Wildeshausen am Dienstag dem Antrag der Verteidigung statt gegeben, zwei neue Zeugen vorzuladen und somit die Beweisaufnahme wieder aufzunehmen.

Noch am Montag hatte die vorsitzende Richterin für den gestrigen Dienstag die Schlussplädoyers von Staatsanwaltschaft, Nebenklägerin und Verteidigung sowie die Urteilsverkündung in dem Prozess gegen den gelernten Zimmermann angekündigt, dem die Staatsanwaltschaft „sexuelle Nötigung in Tateinhergang mit Körperverletzung“ der 50-jährigen Hauptzeugin vorwirft. Der Angeklagte, den das Amtsgericht Wildeshausen im Mai in erster Instanz mangels Beweisen freigesprochen hatte, soll seiner langjährigen Bekannten am Ende eines gemeinsamen Abends mehrfach ins Gesicht geschlagen, ihr Hose und Slip heruntergezogen und ihr in den Schritt gegriffen haben. Der Angeklagte streitet dies ab.

Aussagen „geglättet“?

Sein Pflichtverteidiger warf der Hauptzeugin am Dienstag vor, ihre vor dem Amtsgericht Wildeshausen gemachten Aussagen für die Verhandlung in Oldenburg „geglättet“ zu haben. Er sieht indes immer noch Widersprüche in ihren Darstellungen des betreffenden Samstagabends, 14. Dezember 2014, und möchte nachweisen, dass die Gesichtsverletzungen der Zeugin durch einen „alternativen Ablauf“ zustande gekommen seien, mit welchem sein Mandant nichts zu tun habe. Jemand anderes habe ihr die Verletzungen zugefügt – nach dem Treffen mit ihrem Mandanten.

Ärztin soll befragt werden

Um diese These zu untermauern, möchte der Anwalt eine Ärztin der Carl-Jaspers-Klinik befragen, welche die Hauptzeugin am Sonntag, 15. Dezember, beim Besuch eines Patienten der Klinik gesehen und länger mit ihr gesprochen habe. Dieser Ärztin hätten schwere Gesichtsverletzungen der Zeugin auffallen müssen, so der Anwalt. Außerdem lädt das Landgericht Oldenburg auf Antrag des Strafverteidigers die Psychotherapeutin der Zeugin für den nächsten Verhandlungstermin, Dienstag, 3. November, vor.