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Stück über die Ehe Tragikomödie bietet Wortschlachten in Delmenhorst

Von Jasmin Johannsen | 18.04.2018, 17:45 Uhr

Mit „Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ wurde am Dienstag eine kluge Beziehungsstudie im Kleinen Haus gezeigt. Die Tragikomödie bewies, dass Ehrlichkeit eine Traum-Ehe im Nu beenden kann.

Marianne wünscht sich von ihrem Serge, dass dieser ganz ehrlich zu ihr ist. Es ist aber eben diese Ehrlichkeit, die im Zwei-Personen-Stück „Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ zum unvermeidlichen Ehe-Aus führen wird. Am Dienstagabend wurde die kurzweilige Tragikomödie des französischen Autors Éric Assous im Kleinen Haus gezeigt. Alexandra von Schwerin und Mathieu Carrière lieferten sich ein heftiges Sprachduell mit viel Wortwitz, das den rund 220 Zuschauern sichtlich gefiel: Sie bedankten sich mit lang anhaltendem Szenen- und Schlussapplaus.

Eigentlich ist das Paar glücklich verheiratet

Eigentlich sind Serge (Mathieu Carrière) und Marianne (Alexandra von Schwerin) seit 25 Jahren glücklich verheiratet. Noch immer lieben sie sich heiß und innig. Doch ein kleiner Zusammenprall stellt ihre Ehe auf die Probe. Denn Mariannes Unfallgegner ist der Cousin von Sophie. Und Serge hatte vor über 30 Jahren mit Sophie eine Affäre. Allerdings hat er genau das immer bestritten. Für Marianne ergibt sich nun nach Jahren die Chance auf Gewissheit. „Ich kann die Wahrheit ertragen“, fleht sie ihn immer wieder an.

Stück ist hintergründige Beziehungsstudie

Was sich zunächst anhört wie eine klischeehafte Eifersuchtsszene (die hysterische Ehefrau ist unbegründet misstrauisch und kann sich das Nachspionieren nicht verkneifen), entpuppt sich als hintergründige Beziehungsstudie. Denn Serge ist ein notorischer Betrüger. Stückweise kommen seine Lügen ans Licht. „Ich habe das damals bestritten, weil es einfach praktischer war“, ist nur eine seiner Rechtfertigungen. Dass Serge sich dann doch heimlich mit Sophie getroffen, sie sogar in ihre Wohnung begleitet hat, stellt sich erst durch ständiges Nachfragen heraus.

„Trainerin für den Unterleib“

Schließlich hat Marianne ihre Gewissheit: Serge erzählte Sophie, dass er schon seit zwei Jahren eine Geliebte habe: Jeanette, seine „Trainerin für Leib und Unterleib“, wie Marianne treffend feststellt. Damit ist das Ende besiegelt und der Zuschauer wird das Gefühl nicht los, dass diese anfangs nervende Marianne mit ihrer Intelligenz und Entschiedenheit alleine bessergestellt ist.

Hintergründige Wortschlachten

Regisseur Jean-Claude Berutti inszeniert die Darsteller im kargen Bühnenbild. So kann sich das Publikum ganz auf die hintergründigen Wortschlachten konzentrieren. Von Schwerin überzeugt in der Rolle der hartnäckigen Ehefrau, während Carrière humorvoll den Schuft mimt. Eine rasante Tragikomödie, die beweist, dass es manchmal nur zwei Darsteller braucht, um erstklassig zu unterhalten.