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Suhrkamp zieht Berufung zurück Kinderporno-Prozess: Delmenhorster Ratsherr beugt sich Schuldspruch

Von Alexander Schnackenburg | 12.11.2015, 14:47 Uhr

Der fraktionslose Ratsherr Henning Suhrkamp hat vor dem Landgericht Oldenburg seine Berufung gegen ein Urteil des Amtsgerichts Delmenhorst vom Februar dieses Jahres zurückgezogen. In unmittelbarer Folge zog auch die Staatsanwaltschaft ihre Berufung zurück. Somit hat das Urteil des Amtsgerichts Delmenhorst Bestand.

Das Gericht hatte den ehemals grünen Politiker im Februar dieses Jahres wegen des Besitzes von kinder- und jugendpornografischen Inhalten zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen á 30 Euro verurteilt. Gegen dieses Urteil hatten sowohl Suhrkamp als auch die Staatsanwaltschaft zunächst Berufung eingelegt: Suhrkamp, weil er auf einen Freispruch hoffte, die Staatsanwaltschaft, weil ihr das Urteil des Amtsgerichts zu mild erschien. In ihren Augen barg der Zwischenspeicher auf Suhrkamps Notebook zusätzliches belastendes Material, welches ebenfalls in das Urteil des Amtsgerichts Delmenhorst hätte einfließen müssen.

„Ich kann nicht beweisen, dass ich es nicht war“

Im Laufe des zweitinstanzlichen Prozesses vor dem Landgericht Oldenburg verdichtete sich die Indizienkette aus belastenden Bilddateien auf diversen Speichermedien Suhrkamps zusehends. Der 45-jährige beteuerte zwar bis zuletzt seine Unschuld, sagte aber schließlich: „Ich kann nicht beweisen, dass ich es nicht war.“ Er wolle den Prozess nicht in die Länge ziehen, auch wenn er sich nichts vorzuwerfen habe. Suhrkamp sieht sich als Opfer eine Intrige.

Suhrkamp sieht sich als Opfer einer Intrige

Zuvor hatten seine Verteidiger versucht, darzulegen, dass Dritte dem Ratsherrn die vielen pornografischen Fotos, insbesondere mit nackten und leicht bekleideten Jungen, untergeschoben haben könnten. Doch sah das Gericht um die Vorsitzende Richterin Uta von Stietencron hierfür offenbar keine Anhaltspunkte. So bemerkte die Vorsitzende gestern, ehe Suhrkamp seine Berufung zurückzog, dass das Delmenhorster Urteil für ihn nach derzeitigem Stand des Prozesses „möglicherweise doch gar nicht so schlecht“ sei.

Zweiter Prozess droht

Nicht auszuschließen ist nach Auskunft der Staatsanwaltschaft, dass nach dem am Donnerstag abgeschlossenen Verfahren noch ein weiteres auf Henning Suhrkamp zukommt: wegen der Verschaffung kinderpornografischen Materials, welche eine andere, bislang nicht angeklagte Straftat darstelle als allein der Besitz und somit möglicher Weise noch verfolgt werden müsse.