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Swing als Gefahr in Delmenhorst Maxe-Schüler trumpfen bei Musical Premiere auf

Von Jasmin Johannsen | 02.06.2018, 18:14 Uhr

Mit „Swinging Berlin – Tanzen verboten“ hat die Theater-AG des Max-Planck-Gymnasiums Delmenhorst am Freitag , 1. Juni, im Kleinen Haus ihr Können bewiesen. Das Musical um eine tanzwütige Clique traf den Nerv des Publikums.

Junge Liebe, schreckliche Schicksale und die Leidenschaft zum Swing: Das neue Stück der Musik-Theater-AG des Max-Planck-Gymnasiums erzählt vom gefährlichen Unangepasstsein im nationalsozialistischen Deutschland. Am Freitagabend feierte „Swinging Berlin – Tanzen verboten“ Premiere im Kleinen Haus. Bei den rund 270 Zuschauern kam das Musical um eine tanzwütige Clique im Zweiten Weltkrieg gut an: Sie spendeten viel Szenen- und Schlussapplaus.

NS-Schergen drohen Barbesitzer

Berlin, 1941: Die Liebe zur Musik verbindet die sieben Freunde Max (Marten Sagehorn), Fritz (Felix Müller), Heinrich (Ken Wojczewski), Alberta (Ronja Reuker), Beate (Evelyn Reisch), Luise (Nele Meinke) und Eva (Maja Jacobsen). Gemeinsam verbringen sie viel Zeit in „Leos Bar“, denn dort wird regelmäßig Swing gespielt. Eine verbotene Musikrichtung, gilt sie bei den Nationalsozialisten doch als „entartet“. Obersturmbannführer Hundt (Marvin Schmidt) und seine Schergen drohen deshalb auch regelmäßig den Barbesitzern Oscar (Kevin Woerheide) und Marlene Leonhardt (Michelle Katannek). Doch die gewähren weiterhin gesellschaftlich Ausgestoßenen wie dem lesbischen Paar Felice (Charlotte Stenzel) und Lilly (Fabienne Bamberger) und der Jüdin Emma Löwenstein (Cheyenne Kollai) Zuflucht.

Wechsel zwischen Spaß und Furcht

Diktatur und Musical – passt das zusammen? Erstaunlich gut, wie die Schülerinnen und Schüler bewiesen. Schließlich wollte die Jugend vor knapp 80 Jahren auch nichts anderes als heute: Das Leben feiern. Trotzdem zeigte das Stück auch die tödlichen Grausamkeiten gegen Juden, Homosexuelle und Andersdenkende auf. Episodenhaft wechselte die Handlung zwischen Spaß und Furcht und vermittelte so einen Eindruck vom täglichen Leben in der Diktatur.

Das Ensemble trumpfte nach anfänglichen Unsicherheiten nicht nur mit schauspielerischem Talent auf, sondern konnte auch gesanglich und tänzerisch zu den Klängen der zehnköpfigen Band überzeugen. Ein lohnender Abend mit historischer Relevanz, der wohl so manchen Zuschauer nachdenklich stimmte.

Weitere Aufführungen von „Swinging Berlin – Tanzen verboten“ finden am Sonntag, Mittwoch und Freitag, 3., 6. und 8. Juni, im Kleinen Haus statt.