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Tafel-Kunden erzählen Wie feiern Bedürftige Weihnachten in Delmenhorst?

Von Merlin Hinkelmann | 24.12.2016, 10:52 Uhr

Heute wird gefeiert und geschlemmt. Das muss man sich leisten können. Viele Bedürftige haben ihren Weihnachtseinkauf nicht im Supermarkt, sondern bei der Tafel erledigt.

Gans oder Fondue ist für viele eine Selbstverständlichkeit zu Weihnachten. Doch was, wenn das Geld nicht reicht für ein üppiges Festtagsmahl? Für diese Menschen gibt es die Tafel. Das dk hat mit zwei Bedürftigen gesprochen. Mittwoch, am letzten Ausgabetag in dieser Woche, bildet sich wie gewohnt eine lange Schlange vor der Delmenhorster Tafel an der Grünen Straße.

Seit fünf Jahren Kundin bei der Tafel

Regina Orieyik steht mit ihrer Plastiktüte ganz hinten. Die 36-Jährige besucht die Tafel seit fünf Jahren und ist froh, dass sie diesen Anlaufpunkt hat. Was plant sie am Heiligabend? „Ich feiere mit meinem Sohn und meiner Mutter, nichts Aufregendes, ganz entspannt“, erzählt die blonde Frau mit leichtem Akzent. Für sie stehen weniger die Geschenke im Mittelpunkt als das Beisammensein der Familie. „Am Fest der Liebe feiern wir die Geburt Jesu. Ich bin gläubig und werde an diesem Tag innehalten.“

Weihnachten allein zu Hause

Ein paar Reihen weiter vorne steht Marlene Lohaus. Auch für sie hat der Tag eine Bedeutung. „Meine Wohnung habe ich schon festlich geschmückt, am ersten Weihnachtsfeiertag besuche ich Bekannte.“ Ein kalter Luftzug weht den Bürgersteig entlang, Eisewind. Die 60-jährige Delmenhorsterin tritt von einem Fuß auf den anderen, ihre dreckigen Turnschuhe stehen dicht an dicht. In der einen Hand hält sie den Griff eines Einkaufstrolleys, mit der anderen führt sie eine Zigarette zu ihrem eingefallenen Mund und nimmt einen Zug. Sieben Jahre steuert sie mittlerweile regelmäßig die Tafel an. Wie sie das Weihnachtsfest feiert: Sie weiß es nicht. „Ich wohne alleine, habe niemanden. Was soll ich denn machen?“. Ihre Frage verhallt im Motorengeräusch eines Lkws, der die Straße entlangfährt. Lohaus wendet sich wieder der Frau neben sich zu, beginnt ein Gespräch. Sie kennen sich.

Gleiche Lebensmittel wie sonst

„Die Tafel ist immer auch ein sozialer Treffpunkt“, weiß Walburga Bähre, Leiterin der Einrichtung. Das sei in der Weihnachtszeit nicht anders. Gleichwohl merkt sie, wie die Stimmung zum Jahresende kippt. „Die Leute sind schlecht gelaunt, gestresster. Das merke ich auch bei unseren Ehrenamtlichen.“ Jetzt, wo das Jahr sich dem Ende neige, „kommen besonders viele Menschen zu uns“. Das Angebot an Lebensmitteln ist jedoch das gleiche wie an „normalen“ Tagen. „Sicher, wir haben jetzt Mandarinen und so. Aber sonst ist alles wie immer.“ Bähre gibt zu bedenken: „Wir sind nicht Kaufland. Trotzdem geht hier keiner leer aus.“ Die Tafel-Leiterin hat derzeit mit einem ganz anderen Problem zu kämpfen. „Unsere Mitarbeiter sind reihenweise krank, die Arbeit wächst uns über den Kopf.“

Weihnachtsfeier im Tagesaufenthalt

Bähre hat noch einen Tipp für Bedürftige, die an Weihnachten nicht allein sein wollen. „Der Tagesaufenthalt für Wohnungslose an der Willmsstraße veranstaltet am 24. Dezember eine kleine Weihnachtsfeier. Besonders für ältere Bedürftige ist das ein schönes Angebot.“