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Tag der Deutschen Einheit Getrennte Familie trifft sich durch Mauerfall im Harz

Von Jan Eric Fiedler | 02.10.2015, 08:43 Uhr

„Wir sehen uns wieder, wenn wir Rentner sind.“ Das dachten sich Erika und Heinz Behnke im Mai 1989, als sie ihre Verwandten aus der DDR nach deren ersten Besuch in Delmenhorst verabschiedeten. Doch die erwarteten 15 Jahre dauerte es nicht, sondern nur ein knapp ein halbes Jahr.

Kurz vor dem Mauerfall reisten die Behnkes – leidenschaftliche Camper – nach Bad Gandersheim. In einem Brief an Heinz Behnkes Cousin und dessen Frau in Allstedt, Sachsen-Anhalt, schrieben sie: „Es wäre doch schön, wenn die Grenze offen wäre und wir uns treffen könnten.“

Trabbi- und Wartburgschlangen

Auf dem Campingplatz erreichten sie die sich überschlagenden Nachrichten nur spärlich. „Wir dachten, dass die Grenzöffnungen vor allem Berlin betreffen“, berichtet Erika Behnke. Doch auch die kleinen Grenzübergänge am Harz sind offen. Dieses historische Ereignis will sich das Ehepaar ansehen und fährt zum Grenzübergang bei Ellrich. Dort erleben sie, wie sich Trabbi- und Wartburgschlangen ungehindert über die ehemals stark gesicherte Grenze schoben.

Zu viert im Wohnwagen

Auf dem Campingplatz ereilte sie zudem ein Anruf ihres Sohnes: Er hat ein Telegramm von den Verwandten aus Allstadt bekommen. Sie wollen sich mit Behnkes treffen. Wenig später sehen sie sich vor dem Rathaus in Osterode wieder. Die nächsten Tage verbringen sie zu viert im Wohnwagen. „Das würde man heute nicht mehr machen, aber das war ja eine besondere Situation“, meint Erika Behnke.

Hochemotionaler Moment

Noch heute ist das für Behnkes ein hochemotionaler Moment. „Es ist zwar 25 Jahre her, aber es ist erstaunlich an wie viel man sich immer noch erinnert“, sagt Heinz Behnke.