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Tag der Deutschen Einheit Lehrer aus Ganderkesee verschlug es 1990 nach Potsdam

Von Jan Eric Fiedler | 02.10.2015, 16:03 Uhr

Im Oktober 1990 wurde der Ganderkeseer Eberhard Schüler nach Potsdam versetzt. Dort wurde er zum Schulleiter gewählt. Das gefiel der zuständigen Magistratsrätin gar nicht.

„Dies kommt mir hier gar nicht in die Tüte, dass sie hier bei uns in Potsdam als Wessi tätig werden.“ Diese Worte musste sich Eberhard Schüler von der Magistratsrätin für Bildung in Potsdam im Oktober 1990 anhören, als er von seinem neuen Kollegium unter vier Bewerbern zum Schulleiter gewählt wurde. Sie hatte den Lehrer aus Bremen zwar auf seinen Wunsch angefordert, doch dass er die Kommunale Berufsschule in Potsdam-Babelsberg dann plötzlich leiten sollte, ging ihr wohl zu weit.

Landtagspräsident greift ein

Erst nach Eingreifen des damaligen Landtagspräsidenten Herbert Knoblich sei sie umzustimmen gewesen. Das Brisante an der Geschichte, so Schüler: Bei der Magistratsrätin handelte es sich um Knoblichs Frau.

Seine Kollegen an der Schule hatten schon an den Montagsdemos in Babelsberg teilgenommen. Was sie nicht wussten: In der Schule saßen 800 NVA-Soldaten einsatzbereit, falls die Demo für das Regime bedrohliche Züge angenommen hätte. Dies sei ihm später berichtet worden.

Hausmeister zeigt Zivilcourage

Und auch der Hausmeister zeigte laut Schüler „Zivilcourage“: Er ließ die vergoldeten Porzellanbüsten von Marx und Lenin „versehentlich“ fallen. „Er wäre bestraft worden. Heute, 25 Jahre später, kann ich darüber offen reden“, berichtet der Ganderkeseer.

„Machen Sie uns unsere DDR nicht schlecht“

Bei seinen Schülern, gerade bei Kindern von Parteifunktionären, sei der Wunsch nach einem Umbruch dagegen nicht so groß gewesen. „Machen Sie uns unsere DDR nicht schlecht“, sollen sie ihn in einer Lektion über die Gewaltenteilung in der Demokratie und dem Hinweis, dass es mit dieser in der DDR nicht so genau genommen wurde, angefahren haben. „Nein, ich machte sie nicht schlecht, aber ich hatte 45 Minuten die Gelegenheit, aufzuklären“, sagt Schüler heute.