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Tag der Deutschen Einheit Nach Wiedervereinigung aus Freude den Rumtopf geleert

Von Dirk Hamm | 02.10.2015, 14:04 Uhr

Edith Plate muss schlucken, wenn sie an den Mauerfall und die Wiedervereinigung denkt. Wie es vielfach der Fall war im geteilten Deutschland, so war auch die Familie der Delmenhorsterin durch die Nachkriegswirren und die innerdeutsche Grenze auseinandergerissen worden.

Ein Zustand, der 1990 endlich ein Ende fand: „Wir waren alle glücklich und froh, dass wir wieder ohne Schikanen zueinander kommen konnten“, sagt Plate.

Besuch fast nicht möglich

Eine ältere, inzwischen verstorbene Schwester der 80-Jährigen, Elsbeth, lebte in Eichwalde, einem kleinen Ort nahe Berlin. Wollte sie die Verwandtschaft im Westen besuchen, so ging dies nur bei ganz bestimmten Familienanlässen oder Krankheitsfällen. „Das musste aber schon eine schwere Krankheit sein, und meine Schwester musste beim Reiseantrag eine beglaubigte Bescheinigung des Arztes mit einschicken“, erinnert sich Plate.

Jeden Sommer eine Woche in die DDR

In umgekehrter Richtung war kein Anlass vonnöten, und so trotzte der Westteil der Familie allen DDR-Schikanen bei der Einreise und verbrachte beinahe jeden Sommer eine Woche in Eichwalde. Edith Plate pflegte dann von ihrem Rumtopf zu schwärmen, worauf ihre Nichte antwortete: „Tante Edith, wenn wir alle in den Westen einreisen dürfen, dann machen wir deinen Rumtopf leer.“

Rumtopf-Party im Keller

Genau das sollte in Edith Plates Partykeller geschehen: „Das war eine schöne Party.“ Und besser noch, 1990 zog die Schwester nach Delmenhorst – nicht nur das Land, auch viele Familien waren wieder vereint.